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Tags: MitgliederMarkt
Beschaffung muss zu einem zentralen CSR-Thema werden
respACT-Veranstaltung zum Thema nachhaltiger Einkauf
27.01.2009

Unternehmerische Verantwortung beginnt mit dem Einkauf. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise.

Deshalb ist der so genannte „nachhaltige Einkauf" das Gebot der Stunde. Um diese Thematik zu diskutieren und erste Lösungsansätze zu skizzieren, lud respACT jüngst in Kooperation mit dem Lebensministerium, dem BMÖ und der Telekom Austria zur Veranstaltung „Verantwortlicher Einkauf in der Wirtschaftskrise".


Rund 70 TeilnehmerInnen fanden sich in der Zentrale der Telekom Austria ein, um sich mit dem Thema nachhaltiger Einkauf zu beschäftigen. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum sozialer und ökologischer Verantwortung im Einkauf gerade jetzt eine besondere Bedeutung zukommt, welche Potentiale und Hindernisse bestehen und welche Rahmenbedingungen nötig sind. Nach der Begrüßung durch Elfriede Neuhold (Telekom Austria), der Eröffnungsrede von Hans-Günter Gruber (Präsidialsektionschef im Lebensministerium) und der Keynote zum Thema Supply Chain Management von Christian Haring (Director Supply Chain Management der AVL List GmbH), wurden verschiedene Themen im Bereich nachhaltige Beschaffung in der World Café Methode diskutiert.


Diskussionsrunden auf hohem Niveau


Den TeilnehmerInnen standen dabei folgende ExpertInnen Rede und Antwort:

  • Elfriede Neuhold,
    Leitung Umweltmanagement, Telekom Austria AG
  • Thomas Kaissl (und Pola Malandain),
    Manager im Bereich Nachhaltigkeit, Ernst & Young
  • Heinz Pechek,
    geschäftsführender Vorstand des Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ)
  • Andreas Schneider,
    Referent der Stabsabteilung Wirtschaftspolitik der Wirtschaftskammer Österreich
  • Robert Slameczka,
    Geschäftsführer von Noris Feuerschutzgeräte
  • Wolfram Tertschnig,
    Leiter der Abteilung Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik im Lebensministerium


Die Ergebnisse der Diskussionen


Die Anwesenden waren sich einig, dass dem Einkauf eine zentrale Rolle im CSR-Prozess zukommt. Im Einkauf beginnt die Wertschöpfungskette und hier müsse man den Hebel für eine nachhaltige Entwicklung ansetzen. Einig war man sich jedoch auch, dass man beim Thema nachhaltige Beschaffung erst ganz am Anfang steht und es noch viel zu tun gibt, um konkrete Lösungen für die Zukunft zu finden.


Die Anwesenden bekannten sich zwar zu einem klaren „Ja" zu ökologischen und sozialen Themen, trotzdem stand über all dem eine große Frage: Wie schafft man es, dass es sich ökonomisch rechnet, im Einkauf auf nachhaltige Produkte zu setzen? Hans-Günter Gruber, Präsidialsektionschef im Lebensministerium, erwähnte bereits in seiner Eröffnungsrede die Diskrepanz zwischen dem Willen zur nachhaltigen Beschaffung auf der einen und dem Preis als zentrales Kriterium in der Einkaufsentscheidung auf der anderen Seite. Diese Problemstellung sollte sich auch durch alle Diskussionsrunden ziehen.


Nachhaltigkeit muss Wettbewerbsvorteil sein


Deshalb - so die Teilnehmenden - müsse nachhaltiger Einkauf zu einem Wettbewerbsvorteil werden. Man muss erkennen, dass der Billigst-Bieter nicht immer der Best-Bieter ist. Vielmehr ist es vor allem die Qualität, die den Wert bestimmt - diese müsse aber auch wahrgenommen werden. Denn solange der Kunde keine Unterschiede in der Qualität feststellen kann, wird immer der Preis zählen. In Zeiten der Wirtschaftskrise, werden deshalb zunehmend jene Lieferanten geschätzt werden, die Qualität, Stabilität und Kontinuität aufweisen und kommunizieren können. Hier ergibt sich vor allem ein Potential für jene heimischen KMU, die bereits als nachhaltiges Unternehmen gelten: sie müssen diese Positionierung halten und das Profil noch weiter stärken.


Langfristige Partnerschaften als Chance in der Krise


Auf keinen Fall, so der Keynote-Speaker Christian Haring, dürfe man jetzt in Krisenzeiten den Kopf in den Sand stecken, sich lähmen lassen und Zulieferer unter Preisdruck setzen. Vielmehr sei es Gebot der Stunde, gerade jetzt aktiv auf Lieferanten zuzugehen und längerfristige Partnerschaften und Kooperationen einzugehen. Dies wurde auch in den Diskussionen immer wieder aufgegriffen: denn längerfristige Partnerschaften, vor allem mit regionalen Anbietern, haben ein geringeres Ausfallrisiko und halten auch härtere Zeiten durch.


In der Frage, wie man eine nachhaltige Beschaffungskette umsetzt und die gesamte Zulieferkette kontrollieren kann, war man sich einig, dass man noch ganz am Anfang steht und dass effiziente Tools und Normierungen noch zu entwickeln sind. Somit stellte sich auch die Frage nach den nötigen Rahmenbedingungen. Es herrschten verschiedene Meinungen, ob Freiwilligkeit oder Regulierung am ehesten zum Ziel führen. Vor allem in den Diskussionsrunden von Wolfram Tertschnig (Lebensministerium) kam man jedoch zum Schluss, dass Normung ein praktikables Instrument ist und dass es Aufgabe der öffentlichen Hand sei, einen klaren Fokus zu setzen, wo es hingehen soll.


Finanzkrise als Chance für Bewusstseinswandel


Schlussendlich war man sich auch einig, dass es für eine breitenwirksame Etablierung des nachhaltigen Einkaufs noch eines Bewusstseinswandels bedarf. Hierzu müsse man die Finanzkrise als Chance sehen, weil es nun eine gute Zeit ist, um Werte zu hinterfragen und Konventionen zu ändern. Im Ausblick waren viele der Anwesenden optimistisch: immerhin sei bereits der Anfang eines Gesinnungswandels in Richtung Nachhaltigkeit erkennbar.

Artikel im Wirtschaftsblatt: "Nachhaltigkeit im Handel ist bald ein Muss"

Laut einer neuen Studie führt an nachhaltigen Produkten künftig kein Weg vorbei.

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