Sunday 25. September 2016
22.12.2014

Impact-Messung

Wie können die Auswirkung von Unternehmen bewertet und gesteuert werden?

Unternehmen sind immer stärker gefordert, nicht nur ihre wirtschaftliche Performance, sondern auch die damit verbundenen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft zu bewerten und zu steuern. Mittel- bis langfristig wird „Impact-Management“ entscheidend für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen sein.

"Impacts" sind die Auswirkungen von Unternehmen auf Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft. Denn Unternehmen müssen sich ihrer ganzheitlichen Verantwortung, jenseits finanzieller Kennzahlen, bewusst werden. Dieses Bewusstsein soll künftig mithilfe umfangreicher Bewertungs- und Steuerungsinstrumente geschärft werden.

 

Die Bedeutung dieses Themas ist auch den Unternehmen zusehends bewusst: Impactmessung war laut respACT-Mitgliederbefragung 2013 eines der Top-Themen für 2014. Zudem werden die Übernahme von Verantwortung seitens der Unternehmen und damit die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kosten immer stärker von verschiedenen Stakeholdern eingefordert.

 

CSR-Vorreiterunternehmen sehen die Bewertung ihrer Auswirkungen angesichts schrumpfender natürlicher Ressourcen, anhaltender gesellschaftlicher Konflikte und zunehmend strengeren gesetzlichen Regelungen bereits als Teil ihres Risikomanagements an. Für sie ist die Erhebung des Impacts strategisch sinnvoll, um das gesamte Spektrum ihrer wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung steuern, und die Wirksamkeit ihrer Nachhaltigkeitsinitiativen bewerten zu können. Eine Bewertung der betrieblichen Nachhaltigkeit hilft Unternehmen außerdem, den business case von CSR-Strategien sichtbar zu machen.

 

respACT hat sich 2014 intensiv diesem Thema gewidmet, folgend ein kurzer Überblick einiger praktischer Beispiele von Impact-Bewertungen:

 

Praxisbeispiel: Impact-Bewertung nach der Nachhaltigkeitsprofilmatrix

Die Voelkel GmbH ist ein Naturkost-Saftproduzent mit Sitz in Peverstoft/Hohenbeck südlich von Hamburg (D). Das mittelständische Familienunternehmen beschäftigt rund 200 MitarbeiterInnen. Um die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit zu bewerten, entwickelte die Leuphana Universität Lüneburg gemeinsam mit Voelkel eine Nachhaltigkeitsprofilmatrix (NPM). Im ersten Schritt wurden Herausforderungen und Werte des Unternehmens analysiert. Ein Dialog mit betroffenen Stakeholdern stellte sicher, dass alle wesentlichen Themen berücksichtigt wurden. Anschließend wurden 27 für das Unternehmen und die Stakeholder gültige Nachhaltigkeitsindikatoren definiert. Die NPM besteht aus den Verhaltensfaktoren Kooperation, Transparenz, Verbindlichkeit und Entwicklungsmöglichkeiten. Die Impact-Faktoren sind kulturelle, ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte. Übergeordnete Themen, die einfließen, sind Gesundheit, Rationalität und regionale Entwicklung. Jedem Indikator werden unternehmensspezifische Leitfragen sowie ein Ist- und ein Sollwert zugeordnet, um Veränderungen sichtbar zu machen. Das Tool ist so konzipiert, dass es für Unternehmen dauerhaft ohne externe Unterstützung umsetzbar ist. Für weitere Informationen zu diesem Tool können Sie Prof. Dr. Clemens Mader kontaktieren.

 

Praxisbeispiel: Impact-Bewertung der Otto Group

Der deutsche Einzelhandelskonzern Otto Group misst die sozialen und ökologischen Auswirkungen des Kerngeschäfts, um gezielt Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung setzen zu können. Dazu fließen Berechnungen zu ökologischen Auswirkungen und sozialen Risiken in ein Tool ein, das von einem internen Beratungsunternehmen entwickelt wurde. Als Datenbasis dienen unternehmensinterne Daten und allgemein zugängliche quantitative Studien (z.B. von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO oder Exiobase). Als Ergebnis stehen auf der einen Seite externe ökologische Kosten (in € ausgedrückt), auf der anderen Seite Risiko-Arbeitsstunden (damit wird das Risiko von Arbeitsstunden bei Zulieferern in verschiedenen Ländern bewertet). Die Resultate zeigen auf, in welchem Teil der Wertschöpfungskette welche ökologischen und sozialen negativen Wirkungen bzw. Risiken auftreten und wie hoch diese in etwa sind. Diese quantitativen Informationen werden ergänzt um qualitative Daten aus dem Feedback von internen und externen Stakeholdern, um deren Erwartungen und die Reputationsrisiken abzubilden. Sind die wesentlichen Aktionsfelder auf diese Art und Weise identifiziert, werden konkrete Maßnahmen erarbeitet, bewertet und mit Zielsetzungen verknüpft. Wesentliche Themen werden anschließend in die Corporate Responsibility-Strategie der Otto Group integriert.

 

Praxisbeispiel: IOOI-Analyse eines Projekts von Merck 

Das deutsche Pharma- und Chemieunternehmen  Merck arbeitet in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) daran, die Wurmkrankheit Bilharziose in Afrika mithilfe des Medikaments Praziquantel auszurotten. Um die Auswirkungen des Programms zu bewerten, wird die IOOI-Methode angewendet (s. Grafik). Den abgebildeten Indikatoren liegt eine breite Datenbasis zugrunde; darunter wissenschaftliche Studien der WHO zu Infektionsraten und die Dokumentation medizinischer ExpertInnen über die Behandlungserfolge bei PatientInnen. 

 

Bisher ist die Bewertung des Impacts noch relativ wenig verbreitet, was nicht zuletzt auch der Komplexität dieser Aufgabe geschuldet ist. Nichtsdestotrotz ist die Auseinandersetzung damit wichtig, um die tatsächliche Auswirkung des Unternehmens einschätzen zu können – über  „Input, Output und Profit“ hinaus.

 

Detailliertere Erläuterungen finden Sie in der respACT-Broschüre "Ganzheitliche Bewertung unternehmerischer Impacts". Außerdem können respACT-Mitglieder das Webinar "Impactmessung - bisherige Erkenntnisse" vom 04.12.2014 im Intranet nachhören.

 

Derzeit sind einige Instrumente in Ausarbeitung, die Betriebe bei der Erstellung und Auswertung von Kriterien und Indikatoren unterstützen. Diverse Forschungseinrichtungen wie die Leuphana Universität Lüneburg, und die Wirtschaftsuniversitiät Wien widmen sich dem Thema. Außerdem laden umfassende Toolsammlungen, wie die des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) oder des European Sustainable Development Network (ESDN) zum schmökern ein. Auch auf der respACT-Website werden einige Impact-Tools vorgestellt. Bei Fragen und Hinweisen an das respACT-Team wenden Sie sich bitte an Amira Zauchner.

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