Samstag 10. Dezember 2016
05.09.2014

Wie betrifft österreichische Unternehmen das Thema Menschenrechte?

Praxisbeispiele im Rahmen eines respACT-Unternehmerforums präsentiert

Zahlreiche VertreterInnen aus namhaften Unternehmen, aber auch NGOs und dem öffentlichen Sektor tauschten sich am 4. September im Rahmen des respACT-Unternehmerforums „Menschenrechte im Unternehmenskontext“ aus. Die Sensibilisierung für Menschenrechtsfragen im betrieblichen Kontext und das Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten lag im Fokus der von respACT – Österreichs Unternehmensplattform für Corporate Social Responsibility (CSR) – organisierten Veranstaltung.

Relevanz nimmt stetig zu

Florian Schönberger, Vertreter des österreichischen Nationalen Kontaktpunktes für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, betonte bei der Begrüßung die steigende Relevanz des Themas Menschenrechte für österreichische Unternehmen aller Größen.

 

Ende Juni stimmte der UN-Menschenrechtsrat dafür, verbindliche Regeln für transnationale Unternehmen zu erarbeiten – ein Anzeichen dafür, dass der Beitrag von Unternehmen zur Wahrung der Menschenrechte immer stärker in den Fokus rückt.

 

Welche Vorteile eine proaktive Herangehensweise dem Unternehmen bringt, weiß auch Richard Bachinger, Community Relations Manager der OMV AG, der die Strategie des Mineralölkonzerns präsentierte: „Der Schutz der Menschenrechte ist von besonderer Bedeutung für unsere Wachstumsstrategie. Wir stellen sicher, dass die Menschenrechte in unserem Einflussbereich in allen Ländern, in denen wir bereits tätig sind, geachtet und erfüllt werden. Wir wollen aber auch in jenen Ländern ein systematisches Management der Menschenrechte ermöglichen, in denen wir in Zukunft tätig werden könnten.“ Des Weiteren erfuhren die TeilnehmerInnen von Sandra Kolleth, Geschäftsführerin von Xerox Österreich, über deren Maßnahmen im Bereich Antidiskriminierung. 

 

Bildunterschrift: 

Erstes Bild (v.l.nr.): Richard Bachinger, OMV; Florian Schönberger, BMWFW; Alice Pedretti, CSR Europe; Daniela Knieling, respACT; John Kellock, Grundrechteagentur der EU;

Zweites Bild: Sandra Kolleth, Geschäftsführerin von Xerox Austria, zum Thema „Antidiskriminierung“.

 

Diskussion in Kleingruppen

 

GRUPPE 1: „What can companies do?“ –  Welche Aktivitäten können Unternehmen setzen? mit Alice Pedretti, CSR Europe

 

Das Thema Menschenrechte rückt mehr in den Vordergrund und bestärkt Unternehmen aktives Engagement zu zeigen. Je nach operativem Kontext, Land und Branche muss die Integration und der Dialog mit den relevanten Stakeholdern individuell behandelt werden. Durch einen reziproken Kommunikationsfluss (bottom-up & top-down sowie nach innen und außen) kann das Unternehmen einen idealen Zugang finden, um das Thema in die Unternehmensaktivitäten zu integrieren. Die Sensibilisierung der Thematik Menschenrechte und die Bewusstseinsschaffung ist für alle Größen und Sparten von Unternehmen lohnenswert und wird zunehmend an Bedeutung gewinnen.

 

GRUPPE 2: „Mit Diversity-Management Diskriminierung vermeiden“ mit Sandra Kolleth, Xerox Austria

 

„Wertschätzung von Vielfalt bringt Wertschöpfung“, so konkludierte die Diskussionsrunde zum Thema „Mit Diversity-Management Diskriminierung vermeiden“. Diversity-Management bringe einen internen Antidiskriminierungsfokus auf äußerlich wahrnehmbare Unterschiede, wie Geschlecht Ethnie, Alter und zum anderen auf subjektive Unterschiede wie Religion, sexuelle Orientierung, Lebensstil. Durch die Beachtung der individuellen Verschiedenheit kann eine produktive Gesamtatmosphäre im Unternehmen geschaffen werden, die soziale Diskriminierung verhindert und Chancengleichheit verbessert.

 

GRUPPE 3: „Die Bedeutung von Stakeholder-Beziehungen in den Unternehmensaktivitäten zur Wahrung der Menschenrechte“ mit Richard Bachinger, OMV AG

 

In der Gruppe zum Thema „Bedeutung von Stakeholder-Beziehungen“ diskutierten die Anwesenden über die hohe Relevanz der Integration verschiedenster Stakeholder-Perspektiven. Durch einen permanenten Dialog mit den Anspruchsgruppen werden Erwartungen im Bereich Menschenrechte sichtbar. Ein gezieltes Erwartungsmanagement, als Teil des Stakeholder-Managements, macht Stakeholder-Bedürfnisse erkennbar, welche von Unternehmen aufgegriffen und im Weiteren im strategischen und operativen Geschäft beachtet werden können. Um die Wahrung der Menschenrechte sicherzustellen, ist es für ein Unternehmen wesentlich, eine Expertise mit an Bord zu holen. Die Einbindung der Perspektive von innen (MitarbeiterInnen) und außen (z.B. EntscheidungsträgerInnen, Konsultationen, …) macht effektives Committent möglich. 

 

GRUPPE 4: „Welchen Beitrag können internationale CSR-Standards und Leitsätze zur Wahrung der Menschenrechte in globalen Lieferketten leisten?“ mit Theresia Tschol-Alsantali, respACT

 

CSR-Leitsätze wie die UN-Leitprinzipien für Menschenrechte, der UN Global Compact oder die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen können Unternehmen zur inhaltlichen Orientierung, als Dialogplattform oder auch als Referenz in der weltweiten Kommunikation mit Stakeholdern dienen. Indem sie sich auf Menschenrechtsthemen beziehen, tragen sie zur allgemeinen Sichtbarkeit derselben bei und machen Unternehmen die Bedeutung der Beachtung von Menschenrechten nicht nur am eigenen Standort, sondern auch in der Lieferkette bewusst. 

 

Gute Gründe für strategische Herangehensweise

 

Unternehmen haben erkannt, dass sie Risiken und Chancen mithilfe einer Menschenrechtstrategie besser erkennen können, um langfristig zur Achtung der Menschenrechte beizutragen. Außerdem hilft sie ihnen, interne Managementkapazitäten aufzubauen und unternehmerischen Anspruchsgruppen (Stakeholdern) zu zeigen, dass ihre Selbstverpflichtung zur Förderung der Menschenrechte ernst gemeint ist.

 

Dabei können Unternehmen auf zahlreiche Instrumente zurückgreifen, die ihnen helfen, sich mit der Thematik vertraut zu machen und praktische Maßnahmen zu setzen. Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen propagieren einen vorsorgenden Zugang, sodass Menschenrechtsverletzungen und damit verbundene negative Konsequenzen vermieden werden können. Für Unternehmen ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Menschenrechte nicht nur im Auslandsgeschäft, sondern auch im Rahmen internationaler Lieferketten von großer Bedeutung.

 

"Die Wahrung der Grundrechte in seinem Einflussbereich ist die Verantwortung eines jeden Einzelnen. Unternehmen müssen die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf die Gesellschaft berücksichtigen, allen Formen der Diskriminierung und Belästigung vorbeugen und personenbezogene Daten schützen“, so Morten Kjaerum, Gastgeber und Direktor der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA). „Die Grundrechteagentur der EU sieht Unternehmen als Partner zum Schutz dieser Rechte an – wir sind überzeugt, dass dies letztendlich eine bessere Art zu Wirtschaften bedeutet.“

Dokumente:
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Hilfreiche Leitfäden und Tools zur Entwicklung einer Menschenrechts-Strategie finden Unternehmen unter diesem Link.

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