Tuesday 27. September 2016
30.11.2012

Wie die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen auch Ihren Betrieb betreffen

Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen sind nicht nur für jene relevant, die über die Grenzen hinweg wirtschaften

Die Gründe für heimische Unternehmen, auch im Auslandsgeschäft auf die gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer Tätigkeit zu achten, sind vielfältig: Mangelnde Rechtssicherheit in Ländern des Südens oder Risikominimierung angesichts fehlender Standards sind nur zwei davon. Vor diesem Hintergrund gewinnen internationale Instrumente und Leitsätze im Bereich CSR/Nachhaltigkeit an Bedeutung.

respACT führte dazu im November 2012 eine Befragung zum Thema durch. Dabei stellte sich heraus, dass einiges an Informationsbedarf herrscht. Dies betrifft nicht zuletzt die OECD Leitsätze für multinationalen Unternehmen: Bisher nutzen erst 22 Prozent der befragten Unternehmen dieses Rahmenwerk. 46 Prozent haben zwar schon davon gehört, wenden es aber nicht an.

 

Dabei haben die Leitsätze - der umfassendste multilaterale Verhaltenskodex für multinationale Unternehmen und der einzige, zu dessen Förderung und Umsetzung sich die teilnehmenden Länder* (darunter Österreich) völkerrechtlich verpflichtet haben – für Unternehmen durchaus Bedeutung. Diese ergibt sich vorrangig aus dem Beschwerdemechanismus: Alle Privatpersonen und Organisationen haben die Möglichkeit, eine Benachrichtigung beim Nationalen Kontaktpunkt des jeweiligen Landes einzureichen, sollten sie eine Verletzung der Empfehlungen feststellen.  Nachdem laut respACT-Umfrage erst 25 Prozent der befragten Unternehmen den Kontaktpunkt kennen, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, mit entsprechenden Informationsangeboten gegenzusteuern.

 

Welche Themen decken die Leitsätze ab und was sind die Neuerungen?

Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen sind vertraglich zwischen den Unterzeichnerstaaten vereinbart und enthalten Handlungsempfehlungen für nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Wirtschaften im Auslandsgeschäft. Laut der respACT-Umfrage werden sich Österreichs Unternehmen in den kommenden drei Jahren vor allem mit den Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette, Engagement für die Gesellschaft, Wissenstransfer zu Nachhaltiger Entwicklung und Einhaltung von Wettbewerbsregeln auseinander setzen – die Leitsätze gehen auf all diese Themen ein. Sie fordern zudem die Einhaltung der Menschenrechte in allen Ländern, in denen die Unternehmen tätig sind. Außerdem müssen die jeweiligen Umwelt- und Arbeitsnormen beachtet werden. Dies umfasst unter anderem eine angemessene Entlohnung, die Bekämpfung von Bestechung und Erpressung sowie die Förderung nachhaltigen Konsums.

 

Die Leitsätze, die auf das Jahr 1976 zurückgehen, wurden 2011 aktualisiert. Folgende Neuerungen haben sich daraus ergeben: Gänzlich neu ist das Kapitel "Menschenrechte", das im Einklang mit den Leitlinien der Vereinten Nationen für Unternehmenstätigkeit und Menschenrechte („Ruggie Principles“) steht.

 

Auch die unternehmerische Sorgfaltspflicht (Due Diligence) wurde eingearbeitet und auf die Lieferkette ausgedehnt. Somit tragen Unternehmen nicht nur für ihr eigenes wirtschaftliches Handeln Verantwortung, sondern auch für das ihrer Zulieferer.

Auch die Rolle der oben angesprochenen Nationalen Kontaktpunkte (NKPe) bei der Lösung von Konflikten um behauptete Verstöße gegen die Leitsätze wurde neu geregelt, um das Handeln der NKPe transparenter zu machen und ihre Kapazität, zu einvernehmlichen Lösungen beizutragen, zu erhöhen.

 

Wie funktioniert die Umsetzung und wie kann mein Unternehmen profitieren?

Jede betroffene natürliche Person oder Organisation kann eine Benachrichtigung wegen eines behaupteten Verstoßes eines Unternehmens gegen die Leitsätze beim Nationalen Kontaktpunkt  einbringen. Diese wird dann im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens mit dem betreffenden Unternehmen erörtert. Stellt der Kontaktpunkt einen Verstoß gegen die Leitsätze fest, wird das in einer Mitteilung öffentlich gemacht.

 

Die Auseinandersetzung mit den Leitsätzen soll von Unternehmen jedoch nicht als Bedrohung, sondern als Chance wahrgenommen werden: Das Dokument bietet als „neutraler“ Konsens der OECD-Länder einen geeigneten Orientierungsrahmen, was Nachhaltigkeitsziele insbesondere im Auslandsgeschäft und der Lieferkette betrifft.

 

* Die 34 OECD-Mitglieder sowie Ägypten, Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Lettland, Litauen, Marokko, Tunesien, Rumänien und Peru haben die Leitsätze unterzeichnet. Sie verpflichten sich, alle auf ihrem Gebiet tätige Unternehmen zur Einhaltung der Leitsätze anzuhalten. Diese Verpflichtung gilt auch für Aktivitäten in Drittstaaten.

 

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