Saturday 30. July 2016
16.05.2013

respACT-Webinar zu CSR-Standards

ExpertInnen diskutieren zu Global Compact & OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen

Am 16. Mai fand das erste respACT-Webinar der Reihe „Internationale CSR-Standards und Leitsätze“ statt, bei dem der UN Global Compact sowie die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen thematisiert wurden.

Inputgeber des ersten Webinars waren Bettina Steinbrugger, Koordinatorin des österreichischen Global Compact-Netzwerkes, Heino von Meyer, Leiter des OECD Berlin Centre sowie Christian Heller, Senior Manager Corporate Sustainability Relations beim führenden Chemieunternehmen BASF Deutschland.

 

Eine von respACT durchgeführte Umfrage zum Thema „CSR-Standards“ Ende 2012 ergab, dass es in einigen Bereichen Informationsbedarf gibt. So wünschen sich die respACT-Mitgliedsunternehmen mehrInformationen zu den OECD-Leitsätzen und dem Leitfaden ISO26000. Den größten Bekanntheitsgrad unter den internationalen CSR-Initiativen hat der UN Global Compact.

 

Neuerungen beim UN Global Compact

 

Der UN Global Compact ist die weltgrößte Multi-Stakeholder-Initiative zu Corporate Social Responsibility und propagiert unternehmerische Verantwortung in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Voraussetzung für die Teilnahme seitens der Unternehmen ist die Abgabe eines jährlichen Fortschrittsberichts (COP). Mittlerweile zählt der Global Compact über 11.000 Teilnehmer. Um weiterhin die Qualität zu sichern, wurde nun ein Vorschlag für eine Strategie 2014-2016 ausgearbeitet. Diese sieht ein qualitatives und quantitatives Wachstum vor(Ziel: 20.000 Teilnehmer bis 2020). Neben dem Ausbau themenspezifischer Plattformen wie Caring for Climate sollen die lokalen Netzwerke, die letztlich für die Umsetzung der Global Compact-Agenda sorgen, gestärkt werden. In Zukunft wird es dafür eine Local Network Advisory Group geben, die auch im Global Compact Board vertreten sein wird. Der Finanzierungs-Vorschlag vom Jänner 2013, verpflichtende Beiträge für Unternehmen einzuführen, wird bis auf weiteres nicht weiterverfolgt. Stattdessen soll eine neue Funding Policy mit Input der lokalen Netzwerke ausgearbeitet werden. Dies bedeutet, dass der Global Compact weiterhin kostenlos zugänglich ist, aber in Zukunft nur jene Unternehmen, die Beiträge leisten, alle Services in Anspruch nehmen können. Das neue Finanzierungsmodell soll im Herbst vorgestellt werden. Bis dahin sind Unternehmen wie bisher dazu aufgerufen, freiwillige Spenden an den UNGC zu leisten.

 

OECD-Leitsätze als Orientierung im Risikomanagement

 

Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen stellen den umfassendsten multilateralen Verhaltenskodex für Unternehmen dar. Heino von Meyer, Leiter des OECD Berlin Centre, erläuterte, dass es 2011 ein wichtiges Update gab und insbesondere der Themenbereich „Menschenrechte“ sowie die unternehmerische Sorgfaltspflicht neue Bedeutung erhielten. Es sei absehbar, dass die Leitsätze in Zukunft auch vermehrt von Nicht-OECD-Ländern in Anspruch genommen würden. Die Relevanz der Leitsätze ergibt sich vorrangig aus dem Benachrichtigungs-Mechanismus: Die Staaten haben nationale Kontaktpunkte eingerichtet, wo jede/r Bürger/in oder Organisation vermeintliche Verstöße gegen die Leitsätze melden kann. Wichtig zu wissen ist, dass die Fälle, die der Kontaktpunkt behandelt, online veröffentlicht werden. Dadurch relativiert sich die Freiwilligkeit der Leitsätze laut Heino von Meyer deutlich – auf Negativpresse kann jedes Unternehmen verzichten. Der Anwendungsbereich der Leitsätze ist nicht nur der eigene Firmenstandort. Unternehmen haben sicherzustellen, dass in ihrer gesamten Lieferkette Menschenrechtsverletzungen, Umweltschäden oder auch Steuerhinterziehung vermieden werden. Je nach Branche sind auch Klein- und Mittelunternehmen betroffen – Stichwort Konfliktmineralien. Wer annimmt, „heikle“ Themen gäbe es nur in Entwicklungs- oder Schwellenländern, der irrt. In Bereichen wie Gleichberechtigung oder Arbeitnehmerrechte etwa gibt es auch hierzulande Herausforderungen zu bewältigen.

 

CSR-Standards auch für KMU relevant

 

 Genau dabei helfen die beiden Initiativen den Unternehmen: Christian Heller, bei BASF als Senior Manager in der Nachhaltigkeitsabteilung u.a. für Standards verantwortlich, berichtet, dass der Global Compact eine ideale Diskussionsplattform sei, um sich CSR-Themen zu stellen und von anderen zu lernen. Die OECD-Leitsätze wiederum dienen der Orientierung: Habe ich in meinem Code of Conduct alle Themen abgedeckt? Welche Handlungsfelder können für mein Unternehmen in Hinsicht auf das Risikomanagement problematisch werden? Auf Basis dieser Analyse können Monitoring-Mechanismen entwickelt werden. Wenn es zu einer Benachrichtigung kommen sollte – was bei BASF einmal vorgekommen ist – rät Christian Heller, diese ernst zu nehmen und mit allen Beteiligten in Dialog zu treten. Diese Offenheit hat auch im konkreten Fall dazu geführt, dass die Benachrichtigung zurückgezogen wurde.

 

Generell ist es wichtig, die Komplementarität der CSR-Standards und Initiativen zu sehen: Sie bauen aufeinander auf und bieten auch für KMU Austausch und Orientierung. Angesichts der steigenden Erwartungen der Stakeholder kann eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit CSR-Themen Unternehmen nur Vorteile bringen.

 

respACT-Mitgliedsunternehmen finden das Webinar zum Nachhören im Intranet.

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