Thursday 29. September 2016
19.11.2014

Nachhaltiges Management der Lieferkette

Ein Muss für zukunftsfähige Unternehmen

Eine Kette besteht aus einer Reihe von Gliedern, die voneinander abhängig sind. Das ist bei der Lieferkette nicht anders. Auch wenn die Verbindungen zwischen Roh- und Ausgangsstoffen, den Produktionsstätten, den Distributoren, den Wiederverkäufern und den Konsumenten offenkundig nicht stark sein mögen oder gar nicht-existent, so braucht es jeden einzelnen Bereich, damit der wirtschaftliche Kreislauf erhalten bleibt.

Potentielle Risiken abzuschätzen und zu vermeiden ist im Unternehmenskontext nichts Neues. Was sich allerdings ändert, ist die Bandbreite dieser Verantwortung und der möglichen Risiken, die ein Unternehmen betreffen. Auf jeder Stufe der Lieferkette gibt es Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. In der globalisierten Welt von heute bedeutet beispielsweise die Auslagerung einer Tätigkeit keineswegs mehr, dass man damit auch die Verantwortung oder Haftung abgibt, genauso wenig, wie die Verantwortung des Unternehmens mit dem Verkauf des Produktes endet.

 

Der Fall Rana Plaza in Bangladesh, wo einsturzgefährdete Gebäude Arbeiterinnen und Arbeiter begraben haben, hat für berechtigten Aufruhr gesorgt. Ein Unternehmen im Auslandsgeschäft muss sich heute mit Themen wie Menschenrechte, Korruptionsbekämpfung, Arbeitsbedingungen und Umweltbedingungen oder Klimaveränderung beschäftigen. Nicht nur die Konsumentinnen und Konsumenten verlangen mehr Transparenz.

 

Die OECD-Leitsätze und ihre Bedeutung für die Lieferkette

 

Internationale Leitsätze wie der multilaterale Verhaltenskodex der OECD gehen nicht nur allgemein auf diese Themen ein, sondern wurden von der österreichischen Regierung gemeinsam mit allen 34 Mitgliedsstaaten und noch zehn weiteren auch als völkerrechtlich verbindlich unterschrieben. Im Jahr 2011 wurden die OECD-Leitsätze um die Dimension der Lieferkette erweitert und spiegeln damit genauso wie die Berichterstattung der Global Reporting Initiative – hier gibt es bei der neuen Version G4 die verpflichtende Darstellung der Aktivitäten im Bereich Lieferkette – die wachsende Bedeutung dieses Bereichs für Unternehmen wieder.

 

Das Hauptaugenmerk bei der nachhaltigen Lieferkette richtet sich derzeit noch stark auf die direkten Zulieferer; jedoch sind die größten ökologischen und sozialen Auswirkungen oft auf den ersten Stufen der Lieferkette zu finden (Stichwort Rohstoffbeschaffung). Genauso ist die Art des Produktes (Stichwort Recycling) bzw. die Ressourcen, die gerade bei der Verwendung von Consumer Products verbraucht werden noch nicht wirklich im Visier der nachhaltigen Lieferkette. Ein fortschrittliches international agierendes Unternehmen tut gut daran, den gesamten Kreislauf und alle Phasen des Produktes zu betrachten.

 

Konkrete Handlungsanweisungen und Tipps

 

In einem OXFAM Diskussionspapier gibt es genauso wie beim UN Global Compact oder bei den OECD Leitsätzen konkrete Handlungsanweisungen und Tipps:

 

Bewußtsein und strukturelle Verankerung Wichtig ist es, zuerst einmal die Nachhaltigkeit der Lieferkette im Unternehmen als wichtiges Thema auch strukturell zu verankern und nicht allein dem Supply Chain Manager zu überlassen. Proaktiv sein ist hier die Devise.

 

Risk Assessment Große Bedeutung hat die direkte Kommunikation mit den Produzenten der Rohstoffe, den Transportunternehmen, den Händlern usw. – um gegenseitig von einander mehr zu erfahren und zu lernen. Schriftliche Vereinbarungen wie ein Lieferantenkodex sind gut und wichtig, ersetzen aber nicht die Auseinandersetzung mit den Menschen und den Bedingungen vor Ort.

 

Stabile Partnerschaften – Mit den Zulieferern ein gutes Fundament aufzubauen, zahlt sich aus. Man braucht sich gegenseitig und Vertrauen ist für eine langfriste Partnerschaft notwendig – das „Happy Wife-Happy Life“ des Supply Chain Managements.

 

Unterstützung von kommunalen Projekten und Nachhaltigkeit im Umweltbereich – „We care“ – das summiert wohl diesen Punkt. Ein „caring“ Unternehmen ist eines, das sich mit den ökologischen Bedingungen, mit den Arbeitsbedingungen der Produktionsstätten bzw. der Zulieferer und den weiteren Gliedern auf der Lieferkette beschäftigt und lokale Initiativen setzt. Beispielsweise Unterstützung bei Schulprojekten oder Vor-Ort-Klimaschutzprogramme.

 

Resourcen werden knapper und Kooperation ist angesagt – Die ökonomische Entwicklung bewirkt eine Verknappung der wertvollen Rohstoffe und Ressourcen. Die Herausforderung der Zukunft wird es also sein, hier nachhaltige globale und kollaborative Ressourcen Management Strategien zu entwickeln.

 

Laut einer Roland Berger Studie aus dem Jahr 2010 sind mit 83% wirtschaftliches Kalkül, Kundenanforderungen (78%) und Unternehmensphilosophie (77%) die Haupttreiber der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit in der Lieferkette.

 

Mads Ovlisen, der Vorsitzende der Beratungsgruppe des Global Compact der Vereinten Nationen für Nachhaltigkeit in der Lieferkette meint dazu: „Unternehmen ergreifen oft die Initiative, um Dinge voranzubringen. Wer sich auf die rein wirtschaftliche Dimension beschränkt, verkennt den Beitrag, den Unternehmen zur gesellschaftlichen Entwicklung leisten können und müssen.“

 

Mehr zu diesem Thema gibts beim respACT Workshop "Verantwortungsvolles Management in der Lieferkette" am 2. Dezember 2014.

 

 
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