Saturday 1. October 2016
16.04.2015

Einhaltung der Menschenrechte als zentrale Aufgabe für Unternehmen

Nachlese zum Business Lunch „Menschenrechte im Unternehmenskontext“ am 14. April 2015 im Haus der Industrie

 

Malte Hauschild vom deutschen Nationalen Kontaktpunkt der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen und Markus Scholz von der FH der WK Wien betonten im Rahmen des respACT-Business Lunch die Rolle von Unternehmen beim Schutz der Menschenrechte.

Verschiedene Sichtweisen auf die unternehmerische Verantwortung

 

Markus Scholz, Leiter des Center für Corporate Governance and Business Ethics an der Fachhochschule der Wirtschaftskammer Wien, startete seinen Vortrag mit der Feststellung, dass Menschenrechte uns alle angehen. Er sprach über die Komplizenschaft von Unternehmen bei Menschenrechtsverletzungen und die Frage, ob Unternehmen dafür verantwortlich sind die Einhaltung der Menschenrechte aktiv zu fördern. Diese Frage könne aus zwei unterschiedlichen Perspektiven beantwortet werden: Die liberale Position nach Friedman besagt, dass die Unternehmensverantwortung vor allem in der Profitsteigerung liegt, solange dabei nicht gegen Gesetze verstoßen wird („legal compliance“). Jedoch ist neben der teilweise nicht eindeutigen rechtlichen Situation häufig auch die Klärung der moralischen Verantwortung unklar. Herr Scholz erläutert, dass Unternehmen auch als politische Akteure („corporate citizenship“) gesehen werden können, da sie im Vergleich zu Nationalstaaten zunehmend an Einfluss gewinnen. Durch diese Macht entstünde Verantwortung. Die Leitlinien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte (das sogenannte „Ruggie Framework“) gehen sogar einen Schritt weiter und fordern Unternehmen auf, die Einhaltung der Menschenrechte aktiv zu promoten.

 

Erfahrungsbericht des deutschen Nationalen Kontaktpunktes der OECD-Leitsätze

 

Malte Hauschild berichtete anschließend über seine Erfahrungen als Leiter des deutschen Nationalen Kontaktpunktes (NKP) der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen. Diverse Stakeholder können sich bei Verstößen deutscher Unternehmen an den Nationalen Kontaktpunkt wenden. Jedoch wird dieser bewusst nicht als gerichtliche Instanz geführt, sondern zielt er auf außergerichtliche Mediationsverfahren ab. Der NKP prüft in einer ersten Evaluierung, ob ein berechtigtes Interesse des Beschwerdeführers besteht und Grund besteht ein Verfahren aufzunehmen. Viele Unternehmen tendieren dazu, bei Beschwerdefällen vollständiges Schweigen walten zu lassen, sodass häufig nicht bekannt wird, dass Verfahren mitunter auch eingestellt wurden. Herr Hauschild erklärte, dass während des Verfahrens gegenüber den beteiligten Parteien volle Transparenz herrscht. Abgeschlossene Fälle können im Internet nachgelesen werden. Eine wichtige Bedingung für eine für alle Parteien zufriedenstellende Lösung ist eine befugte Ansprechperson der höheren Hierarchieebene des Unternehmens, die sich aktiv diesem Prozess widmet.

Die meisten Beschwerden an den deutschen Nationalen Kontaktpunkt der OECD-Leitsätze stammen aus dem Bereich Arbeitsbeziehungen, weitere betreffen vor allem den Bereich Menschenrechte. Auch die Lieferbeziehungen, einschließlich Zulieferfirmen und Unterauftragsnehmer, werden beleuchtet. Malte Hausschild berichtet, dass im vergangenen Jahr nur ein einziges innerdeutsches Verfahren abgewickelt wurde. Häufig werden Beschwerden von deutschen Botschaften oder den weltweiten Netzwerken des Global Compacts weitergeleitet. Denn oft sind unternehmerische Aktivitäten geografisch zerstreut, das Fehlen von eigenem Personal direkt vor Ort erhöht das Risiko von Menschenrechtsverletzungen. Der Beitritt zu anerkannten Multistakeholder-Initiativen kann die Erfüllung der unternehmerischen Sorgfaltspflicht („Due Diligence“) unterstützen.

 

respACT sucht Best Practice Beispiele im Umgang mit Menschenrechten

 

Nach Abschluss der beiden ersten Vorträge stellte respACT-Geschäftsführerin Daniela Knieling das „European Hub on Business & Human Rights“ vor, hier finden Sie die zugehörige Präsentation. Auf europäischer Ebene ist respACT langjähriger Partner von CSR Europe und nun auch Mitglied des „European Hub on Business & Human Rights“. Ziel ist die Stärkung des Erfahrungsaustausches zum Thema Menschenrechte zwischen Unternehmen und NGOs – sowohl auf lokaler wie auch europäischer Ebene. Die Partnerorganisationen, wie respACT und vergleichbare Plattformen anderer europäischer Länder, laden u.a. zu lokalen Veranstaltungen. Der Austausch dient auch dem Zweck Best Practice Beispiele aus verschiedenen europäischen Ländern zu sammeln. Diese werden Ende des Jahres in einer gemeinsamen Publikation vorgestellt. In diesem Zusammenhang lädt Daniela Knieling ein, Best Practice Unternehmensbeispiele (besonders in den Bereichen Beschaffung, Personalwesen und Risikobeurteilung) mit respACT zu teilen. Die Informationen werden anonymisiert aufbereitet. Hier finden Sie einen Bericht über das Hub und weitere Initiativen zum Thema Menschenrechte.

 

Mit freundlicher Unterstützung des

 

 

 
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