Samstag 18. November 2017
25.04.2017

Vereinbarkeit von Familie und Beruf - Impulse, Maßnahmen aus der Praxis und praktische Ideen für den eigenen Arbeitsbereich

Nachbericht des 2. respACT-Arbeitsgruppentreffens zu MitarbeiterInnen und Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz

Welche Umsetzungsmöglichkeiten haben Unternehmen zur Vereinbarkeit von Familien und Beruf - und welche Voraussetzungen müssen für ihr Gelingen erfüllt sein? Eine Vielfalt an Optionen und Herausforderungen wurde am 4. April 2017 im Rahmen des respACT-Arbeitsgruppentreffens bei der WIENER STÄDTISCHE Versicherung diskutiert. Inputs lieferten Peter Rieder (Arbeitswelten Consulting), Astrid Limberger (WIENER STÄDTISCHE Versicherung) und Ingrid Weigl (Austria Center Vienna).

Eindrücke des Arbeitsgruppen Treffens:

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Warum es sich lohnt, familienfreundlich zu sein

Familienfreundlichkeit wird von ArbeitnehmerInnen aktiv nachgefragt und spielt daher für die Arbeitgeberattraktivität eine entscheidende Rolle. Laut einer Studie des Forschungsinstituts für familienbewusste Personalpolitik der Steinbeis Hochschule Berlin hat sie eine Auswirkung auf die Reduktion von Fehlzeiten sowie die Fluktuation. Die Vereinbarkeit von Familien und Beruf sind auch bei der Jobauswahl ein Top-Faktor; Peter Rieder betont dabei die Wichtigkeit einer entsprechenden Führungskultur: Familienfreundlichkeit wird von ArbeitnehmerInnen oft daran gewertet, wie Führungskräfte auf die alltäglichen Anforderungen reagieren.

 

Handlungsfelder von Familienfreundlichkeit

Familienfreundlichkeit umfasst eine Vielzahl von verschiedenen Aspekten, wie etwa Arbeitszeit oder Arbeitsorganisation – das kann sowohl Vertretungsregelungen, Shared Leadership Modelle als auch Home Office betreffen. Dabei liegen Hindernisse an derartigen Lösungsmodellen oft nicht in den technischen oder rechtlichen Begebenheiten begründet, sondern in der Unternehmens- und Führungskultur. Neben Services im Sinne von Elternschaft, Karenz und Berufsrückkehr ist die Pflege ein ähnlich relevantes, wenn auch weniger ‚populäres‘ Thema. Statistisch betrachtet sind 10% der MitarbeiterInnen von Pflege betroffen; zu 80% findet Pflege im häuslichen Umfeld statt und ist daher auch Grund dafür, dass Menschen aus dem Job ausscheiden. Ein Blick in die Zukunft bestätigt die wachsende Bedeutung von Pflege für die kommenden Jahre.

 

Trends, aktuelle Themen und Herausforderungen in der Praxis

Die Nachfrage nach Väterkarenz ist rasant gestiegen – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass man aus unternehmerischer Sicht damit zu tun hat. Auch politisch werden entsprechende Maßnahmen gesetzt. Im Familienbonusgesetz ist überdies geregelt, dass Väter in den ersten 3 Monaten nach der Geburt zwischen 28 und 31 Tage zu Hause sein können und dafür Familienzeitbonus erhalten. Ziel ist die frühe Einbindung der Väter, da diese nachweislich eine positive Auswirkung auf die spätere Vätereinbindung hat. „Trendthema“ wird außerdem Führung in Teilzeit (etwa nach der Elternzeit, in Verbindung mit Altersteilzeit, etc.).

 

Hindernisse in der Umsetzung ergeben sich vor allem dann, wenn es keine klare Vorgaben und Aufträge gibt. Klarheit und ein entsprechendes Führungskräfte-Commitment gelten daher als A und O. Gleichzeitig ist es wichtig, den kulturellen Umgang mit Themen der Familienvereinbarkeit anzusehen – das soziale Dürfen bzw. soziale Erwünschtheit sind dabei die Grundlage. Nicht alle Themengebiete der Familienfreundlichkeit sind nachfrageorientiert argumentierbar, oft müssen Dinge aktiv angeboten und attraktiv platziert werden, um eine Nachfrage zu schaffen. Pflege beispielsweise wird nicht nachfrageorientiert gelöst, mit dem Angebot kommt jedoch die Nachfrage.

 

Gelebte Familienfreundlichkeit: Wiener Städtische und Austria Center Vienna

Astrid Limberger, Personalmanagerin der Wiener Städtischen, blickt in ihrem Unternehmen auf eine lange Tradition in puncto Familienfreundlichkeit zurück – bis ins Jahr 1974, als der Betriebskindergarten/die Krabbelstube erstmals installiert wurde. Benefits von Familienfreundlichkeit zeigen sich daneben auch im Karenzmanagement, Ideenmanagement, der zusätzlichen Papawoche und umfassenden Karenz- und Pflegeinformationen für die MitarbeiterInnen. Besonders wichtig ist dabei auch die laufende Kommunikation der betriebseigenen Angebote sowie die Bewusstseinsbildung der MitarbeiterInnen. So werden beispielsweise nach Meldung von Schwangerschaften Infomappen ausgeteilt, die rechtliche Informationen, Ansprechpersonen und Informationen zur Rückkehr ins Unternehmen gesammelt listen. Ein Newsletter für Karenzierte sowie Eltern-Kind-Jausen stärken den Kontakt zum Unternehmen auch während der Karenz. Eine Erhöhung der Männerquote bezogen auf Karenz ist erwünscht; forciert wird überdies das Informationsmanagement für Angestellte, die Angehörige pflegen.

 

Der Umfang der Maßnahmen muss stets in der Relation zur Unternehmensgröße betrachtet werden. Als KMU setzt das Austria Center Vienna dabei Maßnahmen wie den Familientag, bei dem es Vorsorgeuntersuchungen, Impfangebote sowie Zugang zu einem Arbeitspsychologen gibt. Möglichkeiten gibt es zusätzlich im Sinne einer Wiedereingliederungsteilzeit nach einem länger als 6 Wochen andauernden Krankenstand und Rahmenregelungen für Meetings.

 

Fortsetzung beim nächsten Arbeitsgruppentreffen

Das dritte Arbeitsgruppentreffen findet voraussichtlich im Rahmen des CSR-Tages statt – zum Thema „Corporate Volunteering – der Mehrwert von Zeitspenden für Unternehmen“. Save the Date – 11. Oktober 2017! Weitere Informationen zum CSR-Tag: HIER.

 

Die Unterlagen zur Arbeitsgruppe finden respACT-Mitglieder im Intranet.

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