Samstag 18. November 2017
07.12.2016

Businessfrühstück mit Fokus Nachhaltigkeitsberichterstattung

Neues Gesetz, neue Trends

Eine neue EU-Richtlinie verpflichtet Unternehmen ab 2017 dazu, Nachhaltigkeitsberichte vorzulegen. Bei einer Veranstaltung von Headquarters Austria, EY sowie respACT diskutierten beim Businessfrühstück in Wien ExpertInnen von Palfinger und RZB über Chancen und Herausforderungen bei der Umsetzung.

 

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v.l.n.r: Mag. Daniela Knieling, GF respACT;  DI Georg Rogl, EY; Daniela Werdecker, Palfinger AG; Leo Hauska, Hauska & Partner; Dr. Tanja Daumann, RZB AG

 

45 interessierte UnternehmensvertreterInnen trafen sich am 6. Dezember 2016 zum Businessfrühstück beim Gastgeber EY in Wien. Organisiert wurde die Veranstaltung von Headquarters Austria in Kooperation mit EY sowie respACT, der Unternehmensplattform für verantwortungsvolles Wirtschaften. respACT Geschäftsführerin Mag. Daniela Knieling berichtete zu Beginn der Veranstaltung über den derzeitigen Stand der Umsetzung der neuen EU-Richtlinie in österreichisches Recht. „Dadurch müssen große Unternehmen öffentlichen Interesses (PIE) mit mehr als 500 MitarbeiterInnen ab 2017 jährlich Nachhaltigkeitsinformationen veröffentlichen.  Der entsprechende Gesetzesentwurf wird derzeit im Justizausschuss des Parlaments behandelt.“ Sie betonte, dass jene großen Mitgliedsunternehmen von respACT, die von dieser Richtlinie betroffen sind, sich bereits dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben und einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, gut vorbereitet sind.

 

DI Georg Rogl, Senior Senior Manager bei EY im Bereich Climate Change & Sustainability Services, präsentierte im Anschluss Details des österreichischen Nachhaltigkeits- und Diverstitätsverbesserungsgesetzes, NaDiVeG, das sich eng an die EU NFI-Richtlinie hält. Zusätzlich ging er im Detail auf das Thema konsolidierte Berichterstattung im Konzern ein und bot einen internationalen Vergleich, wer wie berichten muss.

 

Etwa 120 Unternehmen in Österreich von EU-Richtlinie betroffen

Laut einer Studie von EY erstellten 26% der Top-100 Unternehmen in Österreich 2015 einen Nachhaltigkeitsbericht. Sieht man sich den Prime Market an, so berichten 51% der börsennotierten Unternehmen in Österreich. Georg Rogl sprach von etwa 120 Unternehmen, die laut einer Erhebung von EY in Österreich von der EU Richtlinie betroffen sind - das wären doch deutlich weniger Unternehmen als die bisher kolportierten 200 Betriebe. Betroffen sind große kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Banken und Versicherungen (PIEs) mit mehr als 500 MitarbeiterInnen. Für den Umfang gibt es keine verpflichtenden Vorgaben. Als Empfehlung gilt die Orientierung an international anerkannte Rahmenwerke, insbesondere den Standards der Global Reporting Initiative.

 

Eine externe Prüfung durch Wirtschaftsprüfer erfolgt nur dahingehend, ob die nichtfinanzielle Erklärung oder der gesonderte Bericht vorgelegt wurden. Die inhaltliche Prüfungspflicht der nichtfinanziellen Erklärung bzw. des gesonderten Berichts erfolgt durch den Aufsichtsrat, alle Mitglieder des Vorstandes müssen diesen unterzeichnen.

 

Erklärung im Lagebericht oder gesonderter Nachhaltigkeitsbericht möglich?

Wie muss der Nachhaltigkeitsbericht offengelegt werden? Entweder es gibt eine Erklärung im Lagebericht oder einen gesonderter Bericht, z.B. Nachhaltigkeitsbericht. Dieser kann mit dem Lagebericht bis zu 9 Monate nach Bilanzstichtag offengelegt werden. Eine Befreiung ist für Unternehmen vorgesehen, die in den Konzernabschluss eines Mutterunternehmens mit Sitz in der EU einbezogen sind, in dem die entsprechenden Angaben erfolgen (Konzernklausel).

 

Das Prinzip Wesentlichkeit gilt für inhaltliche Schwerpunkte

Welche Inhalte sind offenzulegen? Die zu berichtenden Belange und Informationen sind auf Grundlage der Wesentlichkeit für das Unternehmen zu identifizieren. Bei der Auslassung von Angaben zu einzelnen Belangen muss dies begründet werden (“Comply or explain“-Ansatz). Die Unternehmen müssen aufzeigen, wie sie den wesentlichen ökologischen und klimapolitischen Herausforderungen Rechnung tragen, was sie im Bereich ArbeitnehmerInnen bzw. in Sozialbelangen tun bzw. welche Schritte zur Achtung der Menschenrechte und gegen Korruption & Bestechung sie setzen. Genauso soll die jeweilige Diversitätsstrategie des Unternehmens dargelegt werden (das betrifft Unternehmen, für die zusätzlich der Corporate Governance Code Gültigkeit hat, also große börsennotierte Unternehmen). Dazu zählen beispielsweise Daten über die Vielfalt der MitarbeiterInnen bzw. wie die Unternehmensführung diese fördert. Georg Rogl wies darauf hin, dass die GRI-Standards Orientierung bieten, um die wesentlichen Inhalte eines Nachhaltigkeitsberichts durch eine Wesentlichkeitsanalyse zu bestimmen. Es existiert ein Überleitungsdokument zwischen den Anforderungen der NFI-Richtlinie und den GRI G4 Leitlinien.

 

Tipps aus der Praxis von RZB und Palfinger

Im Anschluss an den Vortrag von Georg Rogl führte Leo Hauska Vorstand von Headquarters Austria, durch eine angeregte Diskussion mit zwei versierten Praktikerinnen, Dr. Tanja Daumann, Nachhaltigkeitsmanagerin RZB AG und Daniela Werdecker, Corporate Communications & IR, Head of Sustainability Management, Palfinger AG. Tanja Daumann strich hervor, dass die RZB bereits seit fünf Jahren einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht nach GRI G4 legt und sich als von der Richtlinie betroffenes Unternehmen gut vorbereitet sieht. Eine für Daumann offene Frage ist der Umfang der Berichtspflicht, beispielsweise im Bereich Lieferkette bzw. ob die angegebene MitarbeiterInnenzahl sich auf Vollzeitäquivalente bezieht. Aus Sicht von Daniela Werdecker ändert sich für Palfinger durch die Richtlinie wenig; die Nachhaltigkeitsinformationen werden in einem integrierten Geschäftsbericht veröffentlicht. Konkretere Anforderungen wie bestimmte Kennzahlen hätten aus ihrer Sicht als Teil des österreichischen Gesetzestexts Sinn gemacht. Werdecker wies darauf hin, dass ihr Unternehmen 2018 auf GRI Standards umsteigen wird.

 

Nach einer intensiven Frage-Session mit dem Publikum kündigte Moderator Leo Hauska an, dass respACT  2017 wieder Arbeitsgruppen zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung und –kommunikation organisieren wird. Alle interessierten Mitglieder von respACT – und solche die es werden wollen – sind gerne bei diesen Veranstaltungen willkommen.

 

Klicken Sie auf das Bild um Informationen zu den wichtigsten Eckpunkten der neuen EU-Richtlinie zu erhalten:

                              

 

Updates zum Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz finden Sie auf der Webseite des Parlaments.

 

http://www.ey.com

http://www.hauska.com/

Die neue NFI-Richtlinie auf einem Blick

 

Die EU-Richtlinie 2014/95/EU verpflichtet Unternehmen ab 2017 dazu, nicht finanzielle Informationen vorzulegen.

 

                 

 

 Ist ihr Unternehmen betroffen?

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