Tuesday 26. July 2016
19.02.2013

Energie im Wandel: Wohin geht die Reise?

Der "Renewables Global Futures Report" präsentiert Trends und Szenarien

Die Dynamik, die den Wandel hin zu erneuerbaren Energien ermöglicht, wurde lange Zeit unterschätzt. Durch die rasante Entwicklung der Märkte für erneuerbare Energien, neue Technologien und Kostensenkungen wurden einige der damals festgelegten Werte um ein Jahrzehnt früher erreicht als erwartet.

Laut dem kürzlich vom Renewable Energy Policy Network for the 21st Century veröffentlichten „Renewables Global Futures Report“, der auf 170 umfangreichen Interviews mit Energie-Experten und 50 Energieszenarien aus der ganzen Welt basiert, ist der Trend in Richtung erneuerbare Energien unaufhaltsam. Bereits jetzt haben die weltweiten Investitionen in diese Energieformen jene in fossile Energieträger überholt. Um den Klimawandel einbremsen zu können, ist jedoch neben dem Umstieg auf erneuerbare Energie eine gesteigerte Energieeffizienz – also eine Senkung des Energieverbrauchs – notwendig.

 

Marktorientierte Ansätze erfolgversprechend

 

Um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren und die Effizienz zu steigern, setzt die Politik vornehmlich auf Verpflichtungssysteme. So schreibt die EU den Mitgliedsstaaten mittels der Energieeffizienzrichtlinie eine Senkung des Energieverbrauchs von 1,5 Prozent jährlich vor. Jedoch zeigt eine aktuelle Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) auf, dass marktorientierte Ansätze effektiver sein können als neue Verpflichtungen. Erstere stellen eine Kombination von Informations- und Beratungsangeboten, Energiedienstleistungen und Förderprogrammen dar. Der marktorientierte Ansatz sei im Vorteil aufgrund der höheren Flexibilität, der schnellen Anpassbarkeit des Instrumentenmixes sowie seiner Langfristigkeit, da die Energieverbraucher Investitionen aus eigenem Interesse umsetzen und nicht von außen verordnet bekommen. Zudem käme es so zu einer gerechteren Verteilung von Kosten und Nutzen: Jene, die in Energieeffizienz investieren, sind auch jene, die später von sinkenden Energiekosten profitieren.

 

Ein positives Beispiel, wie das System der Freiwilligkeit Ergebnisse erzielen kann, stellt das erste österreichische Energieeffizienz-Netzwerk (EEN) dar, welches in Vorarlberg vom respACT-Mitgliedsunternehmen vkw/illwerke initiiert wurde. Darin werden derzeit 12 große Unternehmen professionell und wissenschaftlich bei der Eruierung und Umsetzung ihres Energieeffizienzpotenzials begleitet. Daneben werden bundeslandweit mit mehreren Partnern Aus- und Weiterbildungen im Energiebereich, wie der Europäische Energiemanagerlehrgang (EUREM), forciert.

 

Positive ökonomische Effekte

 

Laut dem "Renewables Global Futures Report" sind Städte und Gemeinden oft Vorreiter bei der klimafreundlichen Energieversorgung. In Österreich zeigen die mittlerweile 106 Klima- und Energie-Modellregionen Österreichs, welche von Lebensministerium und Klima- und Energiefonds unterstützt werden, dass Energieautarkie machbar ist. So hat sich beispielsweise die Gemeinde Vösendorf im Projekt „Energy Shopping“ das Ziel gesetzt, bis 2030 auf 100 Prozent erneuerbare Energieträger umzusteigen. Hierfür werden Photovoltaik-Anlagen auf den Dachflächen der Großhandelsbetriebe errichtet, LED-Technik eingeführt sowie die E-Mobilität ausgebaut. Die Gemeinde arbeitet in enger Kooperation mit den Betrieben, welche die Maßnahmen auch finanziell unterstützen. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) bescheinigt der Initiative positive ökonomische Effekte: So zeigt eine Studie unter anderem, dass Investitionen in Energieeffizienz mit beträchtlichen Betriebskosteneinsparungen verbunden sind und sich vorteilhaft auf die regionale Wertschöpfung sowie die Beschäftigung auswirken.

 

Das kann die Zukunft bringen

 

In Österreich setzt sich der Anteil der erneuerbaren Energieträger von derzeit 26 Prozent am Bruttoinlandsverbrauch wie folgt zusammen: 9 Prozent Wasserkraft, 11 Prozent biogene Brenn- und Treibstoffe, 5 Prozent Brennholz und jeweils unter 1 Prozent Umgebungswärme bzw. Wind und Photovoltaik (Zahlen vom Umweltbundesamt, 2010). Laut dem "Renewables Global Futures Report" ist es vor allem der Kostenvorteil, der in Zukunft entscheidend sein wird: Insbesondere Wind- und Sonnenstrom wird im Vergleich zu fossiler und atomarer Energie immer günstiger. Die damit einher gehenden Veränderungen auf den Energiemärkten werden Energieversorger verstärkt dazu bewegen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben.

 

Je nach Branche können zukünftig mehr oder weniger hohe Anteile erreicht werden: Bei Strom ist die Energiewende am einfachsten umzusetzen, schwieriger bei Heizung bzw. Kühlung. Der Verkehrssektor wird als der heikelste betrachtet, da sich die Umstellung auf Erneuerbare hier sehr komplex gestaltet. Die befragten ExpertInnen betonen, dass für die Energiewende neben einer Steigerung der Energieeffizienz und dem Einsatz neuer Technologien auch ein immaterieller Wertewandel notwendig ist.

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