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06. März 2026

CCF: Klimawirkung strategisch steuern

Als Österreichs führende Plattform für unternehmerische Nachhaltigkeit freut sich respACT, ab sofort eine inhaltliche Kooperation mit unserem Mitgliedsunternehmen NetCero bekanntzugeben. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit erhalten wir künftig monatlich einen Fachbeitrag des Unternehmens zu aktuellen Fragestellungen aus den Bereichen CSR, ESG und nachhaltige Unternehmensführung. Im Gastbeitrag von Julia Fessler geht es dieses Mal um die Treibhausgasbilanz (Corporate Carbon Footprint, CCF), die weit mehr als eine regulatorische Verpflichtung ist. 

MMag. Julia Fessler
Geschäftsführerin und Co-Founderin von NetCero und der Beratung susform – sustainability transformation

Die Treibhausgasbilanz – häufig als Corporate Carbon Footprint (CCF) bezeichnet – ist heute eine der zentralsten ESG-Kennzahlen. Sie macht Klimawirkung messbar, schafft Transparenz über Emissionsquellen und bildet die Grundlage für glaubwürdige Klimaziele sowie wirksame Dekarbonisierungsstrategien – pragmatisch, datenbasiert und strategisch gedacht. Kaum eine andere Kennzahl steht so stark im Fokus von Regulatorik, Investor*innen, Kund*innen und Öffentlichkeit.

 

Auch wenn Datenerhebung, Abgrenzung und Berechnung komplex und mitunter ressourcenintensiv sind, führt für Unternehmen kein Weg mehr daran vorbei. Die strategische Bedeutung liegt auf der Hand: Die THG-Bilanz macht Klimawirkung messbar. Sie verbindet regulatorische Anforderungen mit finanziellen Risiken, operativer Steuerung und langfristiger Wettbewerbsfähigkeit. Damit ist sie weit mehr als eine Reporting-Pflicht – sie ist ein zentrales Steuerungsinstrument in Richtung Klimaneutralität.

 


 

In sechs Schritten zum belastbaren CCF

 

Ein sauber aufgesetzter Prozess für die CCF-Bilanzierung spart Zeit, vermeidet unnötige Kosten – und schafft die Basis für wirksame Reduktionsmaßnahmen.

 

1. Ziel, Standard und Systemgrenzen festlegen

 

Zu Beginn wird definiert, welchem Zweck der Corporate Carbon Footprint dient, etwa der internen Steuerung, regulatorischen Anforderungen oder der externen Kommunikation. Darauf aufbauend werden organisatorische und operative Systemgrenzen festgelegt, also welche Gesellschaften, Standorte und Aktivitäten einbezogen werden. Hier wird zwischen operativer und finanzieller Kontrolle unterschieden. Diese Entscheidungen bestimmen Umfang, Datentiefe und Aussagekraft der gesamten Bilanz.

 

Methodisch orientieren sich Unternehmen meist am Greenhouse Gas Protocol als international etabliertem Standard. Alternativ steht mit ISO 14064 eine parallele Norm zur Verfügung.

 

2. Emissionsquellen und Scopes bestimmen

 

Im nächsten Schritt werden alle relevanten Emissionsquellen entlang der Wertschöpfungskette identifiziert. Das Greenhouse Gas Protocol unterscheidet drei Scopes:

  • Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus unternehmenseigenen oder kontrollierten Quellen, etwa fossile Anlagen oder Fahrzeuge
  • Scope 2 beinhaltet indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie wie Strom oder Wärme.
  • Scope 3 erfasst weitere indirekte Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette – von Rohstoffen über Transport bis zur Nutzung der Produkte.

In vielen Branchen entfallen bis zu 80–90 % der Emissionen auf Scope 3 – entsprechend groß ist dessen strategische Relevanz.

 

3. Aktivitätsdaten sammeln

 

Anschließend werden die erforderlichen Aktivitätsdaten erhoben, etwa Energieverbräuche, Materialmengen oder Transportkilometer. Wo möglich, sollten Primärdaten genutzt werden. Fehlende Informationen werden nachvollziehbar geschätzt und transparent dokumentiert.

 

4. Emissionsfaktoren auswählen

 

Die Aktivitätsdaten werden mithilfe geeigneter Emissionsfaktoren in CO₂-Äquivalente umgerechnet. Entscheidend sind Aktualität, geografische Passung und methodische Konsistenz. Die Qualität der Faktoren beeinflusst die Aussagekraft der Bilanz maßgeblich.

 

5. Emissionen berechnen

 

Durch Multiplikation von Aktivitätsdaten und Emissionsfaktoren werden die Emissionen berechnet, aggregiert und nach Scopes strukturiert dargestellt. So entsteht ein vollständiges Bild des unternehmensweiten CO₂-Fußabdrucks.

 

6. Dokumentation und Analyse

 

Abschließend werden Annahmen, Methoden und Ergebnisse transparent dokumentiert. Besonders relevant ist die Identifikation von Emissions-Hotspots. Sie zeigt, wo Maßnahmen priorisiert werden sollten und bildet die Grundlage für konkrete Dekarbonisierungsschritte.

 

Fokus schlägt Perfektion

 

Für die Berechnung eines Corporate Carbon Footprint stehen – je nach Datenlage – unterschiedliche methodische Ansätze zur Verfügung. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Genauigkeit, Aufwand und Steuerungswirkung.

  • Messung bzw. Lieferantendaten liefern die höchste Genauigkeit, sind jedoch aufwendig.
  • Mengenbasierte Berechnungen bieten bei guter Datenlage einen soliden Kompromiss zwischen Aufwand und Präzision.
  • Ausgabenbasierte Methoden ermöglichen eine pragmatische Annäherung, wenn keine Mengen vorliegen.
  • Proxy-Daten und Referenzwerte helfen, Größenordnungen abzuschätzen und Prioritäten zu setzen.

In der Praxis werden diese Ansätze kombiniert. Entscheidend ist ein pragmatischer Fokus auf wesentliche Emissionsquellen statt methodischer Perfektion.

 

Digitalisierung und effiziente Prozesse

 

Um Komplexität zu reduzieren, Ressourcen zu schonen und Fehlerquellen zu minimieren, empfiehlt sich die Unterstützung durch spezialisierte Software. NetCero begleitet Unternehmen durch sämtliche Schritte der THG-Bilanzierung – von der Festlegung der Systemgrenzen bis zur Analyse. Klare Workflows, dezentrale Datenerfassung mit zentraler Konsolidierung, integrierte Emissionsfaktoren-Datenbanken und automatische Berechnungen erleichtern die Umsetzung. Dashboards schaffen Transparenz, während Prüffähigkeit und Nachvollziehbarkeit eine auditierbare Berichterstattung sicherstellen.

 


 

Fazit

 

Der Corporate Carbon Footprint ist weit mehr als eine regulatorische Pflicht. Er schafft Transparenz, macht Klimawirkung messbar und bildet die Grundlage für strategische Entscheidungen. Ein strukturierter Prozess, die Wahl geeigneter methodischer Ansätze und der Fokus auf wesentliche Emissionsquellen ermöglichen belastbare Ergebnisse, auch ohne methodische Perfektion.

 

Wer den CCF als Steuerungsinstrument versteht, schafft die Basis für glaubwürdige Klimaziele, wirksame Dekarbonisierung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

 


 

Über die Autorin

MMag. Julia Fessler ist Geschäftsführerin und Co-Founderin von NetCero und der Beratung susform – sustainability transformation. Zuvor war sie 13 Jahre bei PwC im Sustainability Consulting tätig und leitete dort das Climate-Team. Als ESG-Expertin unterstützt sie Unternehmen bei Nachhaltigkeitsberichterstattung, Dekarbonisierung.

 


 

Über das Unternehmen

NetCero ist Österreichs Marktführer für ESG-Reporting & Management. 25 Jahre Big-Four-Expertise treffen auf intuitive Software. Unsere Mission: Nachhaltiges Wirtschaften einfach machen. Die All-in-One-Plattform vereint strategisches ESG-Management, THG-Bilanzierung und Regulatorik. KI-gestützte Datenverarbeitung unterstützt über 100 Kunden bei effizientem, nachhaltigem Wirtschaften.

 

NetCero LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/netcero | NetCero Unternehmenswebsite: https://www.netcero.eu/de

Susform LinkedIn: https://at.linkedin.com/company/susform | Susform Unternehmenswebsite: https://susform.at/

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