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Die chinesische Bewegung zu mehr Nachhaltigkeit begann bereits vor ungefähr zwanzig Jahren. Dieser Prozess bringt anhaltende Herausforderungen mit sich, da die Politik wirtschaftliche Aspekte priorisiert, Zielkonflikte entstehen und eine rasante Urbanisierung die Umsetzung erschweren.[1] Die ersten Entwicklungen sind an der Börse von Shenzen und Shanghai zu beobachten gewesen. Diese haben in den Jahren 2006 und 2008 die ersten Richtlinien bezüglich sozialer Verantwortung und CSR-Berichterstattung veröffentlicht. Im Jahr 2008 wurde außerdem eine Stellungnahme von der “State-owned Assets Supervision and Administration Commission of the State Council” (SASAC) abgegeben, welche die CSR-Performance von staatlichen Unternehmen adressierte. Infolgedessen entstand der erste CSR-Standard, CASS-CSR 1.0 (2009), welcher durch die CASS-CSR 4.0 (2017) weiterentwickelt wurde.[2]
Im Jahr 2020 hat China bekanntgegeben, dass man den allgemeinen Höchststand an CO₂‑Emissionen vor 2030 erreichen und bis 2060 CO₂‑Neutralität erzielen will.[3]
Seit November 2024 gibt es den chinesischen Sustainability Disclosure Standards for Business Enterprises – Basic Standard (Trial), welcher die Grundlagen für eine einheitliche nationale Nachhaltigkeitsberichterstattung legen soll. Dieser wurde im September 2025 mit einem Anwendungsleitfaden ergänzt. Der Standard ist derzeit noch in der Entwurfsfassung und wurde vom chinesischen Finanzministerium, in Zusammenarbeit mit acht weiteren Ministerien, in diesem Jahr veröffentlicht.[4]
Seit Dezember 2025 gibt es den chinesischen Sustainability Disclosure Standards for Business Enterprises No. 1 – Climate (Trial). Dieser Standard befindet sich ebenfalls in der Entwurfsfassung und wurde vom chinesischen Finanzministerium, in Zusammenarbeit mit acht weiteren Ministerien des Landes, in diesem Jahr aufgestellt und veröffentlicht.[5]
Bei der Erstellung hat man sich an den IFRS Sustainability Disclosure Standards (IFRS S1 und IFRS S2) orientiert und dabei den chinesischen Kontext berücksichtigt. Somit erhalten Unternehmen die Möglichkeit, strukturiert, vereinheitlicht und international vergleichbarer über klimabezogene Risiken, Chancen und Auswirkungen zu berichten. Trotzdem gibt es länderspezifische Anpassungen. Der neue chinesische Standard wurde vom Finanzministerium zunächst als freiwilliges Testdokument eingeführt, jedoch kündigte das bereits Ministerium an, den kompletten CSDS sukzessive auf weitere Unternehmen auszuweiten und bis 2030 vollständig umgesetzt zu haben.
Die Umsetzung erfolgt in drei Schritten:
Der Sustainability Disclosure Standards for Business Enterprises No. 1 – Climate (Trial) ist der erste Themenstandard und voraussichtlich zugleich der bedeutendste, da er das Pendant zum ESRS E1 darstellt.
Corporate Sustainable Disclosure Standard – der CSDS im Überblick
Maßgeblich für die Einführung des neuen Standards ist das chinesische Ziel, den Klimawandel zu adressieren und eine umfassende grüne wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit zu erreichen. Dieser Standard stellt einen wesentlichen Mechanismus dar, um eine einheitliche, nachhaltige Entwicklung zu fördern. Einheitliche Standards ermöglichen sowohl eine fundierte Bewertung von Transformationsfortschritten als auch eine aktive Gestaltung von politischen Instrumenten und institutionellen Rahmenbedingungen, welche allesamt Chinas CO₂-Minderungspotenziale adressieren sollen. [6] Der erste Standard des chinesischen Finanzministeriums enthält branchenübergreifende Anforderungen für die Offenlegung von klimabezogenen Informationen. Künftig soll dieser Standard durch sektorspezifische Anwendungsrichtlinien ergänzt werden. Entsprechende Branchen sind: Energie, Stahl, Kohle, Erdöl, Düngemittel, Aluminium, Wasserstoff, Zement und Automobil.[7]
Folgende Inhalte sind unter anderem zu beachten:
Der CSDS wird aktuell als freiwilliger Standard eingeführt. In einem nächsten Schritt sollen einerseits die verpflichtende Anwendung sowie andererseits die konkreten Berichtspflichten schrittweise definiert werden. Die verpflichtende Anwendung ist zunächst nur für börsennotierte Unternehmen vorgesehen; mittelfristig soll sie jedoch auch auf nicht börsennotierte Unternehmen und kleine sowie mittlere Unternehmen ausgeweitet werden.
Zusammenfassung
Gesamt betrachtet wirken die Beschreibungen des CSDS schlank und dennoch plausibel. Angaben und Ausgestaltungen sind weniger kompakt als bei den ESRS.
Insgesamt verdeutlicht die Einführung des CSDS, dass China seine Nachhaltigkeitsberichterstattung systematisch ausbaut und dabei internationale Standards mit nationalen Prioritäten verbindet. Der neue Rahmen schafft die Grundlage für eine schrittweise verpflichtende ESG-Berichterstattung und wird die Transparenz klimabezogener Informationen in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie sich die weitere Entwicklung gestalten wird.
[1] Hamed, H. (2018), Critical evaluation of key challenges to the sustainable development: case study of
Brazil and China, Arabian Journal of Business and Management Review, Vol. 8, No. 3, S. 1-4.
[2] Jiang Y, García-Meca E, Martinez-Ferrero J (2023), "Do board and ownership factors affect Chinese companies in reporting sustainability development goals?". Management Decision, Vol. 61, No. 12, S. 3806-3834, online abrufbar unter: https://doi.org/10.1108/MD-01-2023-0113.
[3]Vgl. Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik/ Vizepräsident der Kommission, China – CO2-Neutralität im Jahr 2060: ein möglicher Wendepunkt für das Klima, 2020, online abrufbar unter:
[4] Vgl. IFRS, JURISDICTIONAL SNAPSHOT: People’s Republic of China, 2026, online abrufbar unter:
[5] Vgl. IFRS, JURISDICTIONAL SNAPSHOT: People’s Republic of China, 2026, online abrufbar unter:
[6] Siehe dazu auch Scheid/Altenburger/Sopp, Handelsbeziehungen mit China: Deutsche Unternehmen müssen chinesische ESG-Anforderungen rechtzeitig erfüllen, BBP 4/2026, S. 94-96.
[7] Vgl. Scheid/Altenburger/Sopp, Handelsbeziehungen mit China: Deutsche Unternehmen müssen chinesische
ESG-Anforderungen rechtzeitig erfüllen, BBP 4/2026, S. 94-96.
[8] Vgl. in diesem Kontext Scheid/Altenburger/Sopp, Handelsbeziehungen mit China: Deutsche Unternehmen müssen chinesische ESG-Anforderungen rechtzeitig erfüllen, BBP 4/2026, S. 94-96.
Über den Autor
Jonas Knoll ist ESG Associate bei retria – ESG reporting & analysis, studiert an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und verfügt über eine mehrjährige Erfahrung im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Über das Unternehmen
Die retria GmbH ist eine Ausgründung der TU Bergakademie Freiberg und positioniert sich als Spezialistin für wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte ESG- und Nachhaltigkeitsberatung. Das Unternehmen begleitet Organisationen bei der Entwicklung und gesetzeskonformen Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien und bietet ein umfassendes Portfolio rund um das Thema "ESG“.
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