Newsletter
Bleiben Sie informiert: Erhalten Sie einmal im Monat aktuelle Einblicke, Themen und Aktivitäten von respACT.
Zusätzlich können Sie freiwillig Themenschwerpunkte auswählen – der allgemeine Newsletter ist immer inkludiert.


Netto-Null ist kein Marketingbegriff, sondern ein strategischer Orientierungsrahmen für Unternehmen. Investitionsentscheidungen, regulatorische Anforderungen, Erwartungen von Kund*innen und Mitarbeitenden sowie die langfristige Wettbewerbsfähigkeit werden zunehmend daran gemessen, wie glaubwürdig Unternehmen mit ihren Emissionen umgehen. Schließlich hat Netto-Null seinen Weg aus dem Pariser Klimaabkommen nun auch in die nationale Politik gefunden. Österreich verfolgt in seiner Klimastrategie das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein. Unternehmen spielen eine entscheidende Rolle, dieses Ziel zu erreichen.
Viele Organisationen haben bereits Klimaziele definiert oder Emissionsbilanzen erstellt. Die entscheidende Frage lautet heute jedoch nicht mehr, ob gehandelt wird, sondern wie aus einzelnen Schritten ein belastbarer Transformationspfad entsteht. An dessen Ende steht Netto-Null, als eine Balance zwischen verbleibenden Emissionen und dem Entzug von CO₂ aus der Atmosphäre. Bis dahin braucht es drei Elemente: Reduktion, Verantwortung für laufende Emissionen und den Aufbau von Senken.
Der wichtigste Hebel jeder Klimastrategie ist die Reduktion eigener Emissionen. Unternehmen müssen Emissionsquellen analysieren, Reduktionspotenziale erschließen und Klimaschutz in Prozesse, Beschaffung, Energieversorgung und Lieferketten integrieren. Durch schlankere Prozesse, smartere Energiesysteme oder auch durch resilientere Lieferketten profitiert neben dem Klima meist auch das Unternehmen direkt hiervon.
Gleichzeitig benötigt Transformation Zeit. Produktionsanlagen werden nicht kurzfristig ersetzt, Lieferketten lassen sich nur schrittweise dekarbonisieren und manche Restemissionen bleiben vorerst schwer vermeidbar. Dabei wirken ausgestoßene Emissionen bereits heute auf Klima, Wirtschaft und Gesellschaft, sie erhöhen Risiken und steigern die Kosten. Deshalb stellt sich die Frage, wie Unternehmen während ihrer Transformation dem begegnen können.
Ongoing Emissions Responsibility (OER) beschreibt nach der Science-Based Targets initiative (SBTi) einen Rahmen, mit dem Unternehmen Verantwortung für laufende bzw. verbleibende Emissionen auf dem Weg zu Netto-Null übernehmen können. Dazu können auch ergänzende Klimaschutzfinanzierungen gehören. OER ersetzt keine Emissionsreduktion, sondern ergänzt sie. Unternehmen reduzieren ihre Emissionen weiterhin konsequent innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette. Gleichzeitig finanzieren sie hochwertige Klimaschutzmaßnahmen für Emissionen, die während der Transformation weiterhin entstehen.
Die erzielten Wirkungen werden nicht auf das eigene Netto-Null-Ziel angerechnet. Dadurch bleibt die Priorität der Reduktion erhalten. OER ermöglicht jedoch, bereits heute zusätzliche Klimaschutzwirkung zu finanzieren, Verantwortung transparent wahrzunehmen und sich dafür von anerkannten Organisationen wie der SBTi auch öffentlichkeits- und kundenwirksam auszeichnen zu lassen.
Das Finanzieren von Klimaschutzprojekten außerhalb und innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette sollte nicht als Einzelmaßnahme verstanden werden. Erfolgreiche Unternehmen denken in Portfolios. Kurzfristig stehen häufig Projekte zur Emissionsvermeidung oder Emissionsreduktion im Vordergrund. Diese haben vielfältige positive Effekte auf Menschen und Regionen, auch entlang der Lieferkette. Parallel gewinnen naturbasierte Lösungen an Bedeutung. Sie binden Kohlenstoff und stärken Biodiversität, Böden und Wasserhaushalte. Langfristig werden dauerhafte CO₂-Entfernungslösungen gefordert, um verbleibende Restemissionen im Netto-Null-Zielbild zu adressieren.
Entscheidend ist nicht die isolierte Bewertung einzelner Projekte, sondern deren Zeitpunkt und Rolle innerhalb eines Gesamtportfolios. So lassen sich Kosten, Wirkung, Risiken und langfristige Anforderungen besser steuern.
Die folgenden Projekte zeigen unterschiedliche Kategorien innerhalb eines Klimaschutzportfolios.
In Dornbirn unterstützt myclimate ein Projekt zur klimaangepassten Waldbewirtschaftung. Ziel ist es, den Kohlenstoffspeicher und das Ökosystem Wald langfristig zu erhalten und gleichzeitig seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit, Stürmen und Schädlingsbefall zu stärken. Das Projekt verbindet Klimaschutz, Biodiversität und regionale Klimaresilienz.
Im Agroforst-Förderprogramm in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein werden Bäume gezielt in landwirtschaftliche Flächen integriert. Sie binden Kohlenstoff, verbessern die Bodengesundheit und erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Wetterextremen. Damit verbindet Agroforst Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel.
Ein weiteres Förderprogramm unterstützt den Ersatz mobiler Dieselgeneratoren durch Batteriespeicher und andere erneuerbare Alternativen. Diese Lösungen reduzieren Emissionen, Lärm und Luftschadstoffe und zeigen, wie technische Innovationen Klimaschutz im Alltag ermöglichen können.
Mit steigenden Anforderungen an die Nachhaltigkeitskommunikation und juristischen Vorgaben wächst die Bedeutung klarer Botschaften. Unternehmen sollten transparent und konkret kommunizieren:
So entsteht Vertrauen bei Kund*innen, Mitarbeitenden, Investor*innen und Geschäftspartnern.
Die zentrale Botschaft lautet: Netto-Null ist keine einzelne Maßnahme. Es ist ein langfristiger Veränderungsprozess. Unternehmen, die heute strukturiert handeln, schaffen die Grundlage für glaubwürdigen Klimaschutz und stärken ihre Zukunftsfähigkeit. Sie entsprechen damit den Erwartungen von Mitarbeitenden, den eigenen Kund*innen, von Auftraggeber*innen und schlussendlich auch gesetzlichen Vorgaben. Gleichzeitig bedeutet Netto-Null ein aktives Risikomanagement, eine Stärkung der Resilienz und einen Booster für Innovation und Prozessoptimierung.
Hochwertige Klimaschutzprojekte ersetzen keine Transformation, können aber zusätzliche Wirkung ermöglichen und Unternehmen helfen, Klimaschutz strategisch zu steuern. Regionale Beispiele aus Österreich und dem DACH-Raum zeigen, wie vielfältig diese Ansätze sein können – von klimaresilienten Wäldern über Agroforstsysteme bis hin zu innovativen Energielösungen.
Christof Fuchs ist Geschäftsführer von myclimate Österreich. Er unterstützt Unternehmen dabei, ihre Treibhausgasemissionen zu messen, wirksame Klimastrategien zu entwickeln und Net-Zero-Ziele umzusetzen. Sein Fokus liegt auf Emissionsreduktion, nachhaltiger Transformation und der Finanzierung hochwertiger Klimaschutzprojekte mit messbarer Wirkung.
Die Stiftung myclimate ist eine Schweizer Non-Profit-Organisation. myclimate berät Unternehmen zu integriertem Klimaschutz mit greifbarem Mehrwert, führt CO2-Bilanzierungen von Unternehmen und Events durch, erstellt Ökobilanzierungen von Produkten und entwickelt Klimaschutzprojekte, die höchste Qualitätsstandards erfüllen.
Website: www.myclimate.org
LinkedIn: myclimate auf LinkedIn
Newsletter
Bleiben Sie informiert: Erhalten Sie einmal im Monat aktuelle Einblicke, Themen und Aktivitäten von respACT.
Zusätzlich können Sie freiwillig Themenschwerpunkte auswählen – der allgemeine Newsletter ist immer inkludiert.