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Nach dem Auftakt-Webinar ging es diesmal um die praktische Umsetzung: Gemeinsam wurden soziale und ökologische Risiken entlang der Lieferkette diskutiert, strukturelle Ursachen hinterfragt und konkrete Ansatzpunkte für Einkauf, Governance, Lieferantenmanagement und Datennutzung identifiziert.
Einen praxisnahen Einblick und Rückblick aufs Webinar gab Angela Reithuber-Paolacci (Manner). Für die anschließende Arbeit an drei Thementischen brachten Henriette Gupfinger (kiwi sustainable solutions), Barbara Coudenhove-Kalergi (PwC Österreich) und Florian Kral (WU Wien) unterschiedliche Perspektiven auf Zertifizierungen und Standards, Governance sowie Daten und Lieferantenbeziehungen ein.
Am Thementisch von Henriette Gupfinger wurde deutlich, dass Zertifizierungen wichtige Orientierung bieten können, aber nicht pauschal mit tatsächlicher Wirkung gleichzusetzen sind. Zertifizierungssysteme unterscheiden sich in ihrer sozialen und ökologischen Ausrichtung deutlich und sollten deshalb risiko- und unternehmensspezifisch ausgewählt werden. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle: Gerade kleinere Lieferanten können durch aufwendige Zertifizierungsanforderungen vor Herausforderungen gestellt werden.
Als Ergänzung zu Zertifizierungen wurden Supplier Audits, gezieltes Supplier Engagement und Unterstützungsprogramme für Lieferanten diskutiert. Auch die Weiterentwicklung von Standards sowie Anreizsysteme – etwa die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien bei Bonus- oder Einkaufsentscheidungen – wurden als mögliche Hebel genannt.
Takeaway: Zertifizierungen schaffen Orientierung und Vertrauen – ihre Wirkung steigt jedoch, wenn sie risikobasiert eingesetzt und durch Engagement und konkrete Verbesserungsmaßnahmen ergänzt werden.
Am Tisch von Barbara Coudenhove-Kalergi stand die Frage im Zentrum, wer im Unternehmen eigentlich Verantwortung für nachhaltige Lieferketten trägt – und wer entscheidet, wenn Nachhaltigkeitsziele mit anderen Unternehmensinteressen kollidieren.
Wirksame Due Diligence braucht klar definierte Rollen, gemeinsame Prinzipien und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. Besonders relevant ist die Schnittstelle zum Einkauf: Nachhaltigkeitsanforderungen müssen sich auch in Einkaufsprozessen und Entscheidungskriterien wiederfinden, statt ausschließlich in Sustainability- oder Compliance-Abteilungen verankert zu sein.
Diskutiert wurden unter anderem klare Kriterien für Einkaufsentscheidungen, Scorecards bzw. Kriterienkataloge für Lieferanten sowie der Umgang mit Zielkonflikten – etwa zwischen Preis, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeitsanforderungen. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Management Commitment ist entscheidend. Nachhaltige Lieferketten werden dann wirksam gesteuert, wenn relevante Kriterien in Managemententscheidungen einfließen und Verantwortung tatsächlich wahrgenommen wird.
Takeaway: Due Diligence kann nur dann Wirkung entfalten, wenn Verantwortung klar geregelt ist und Nachhaltigkeitskriterien dort berücksichtigt werden, wo Entscheidungen getroffen werden.
Florian Kral richtete den Blick auf eine zentrale Frage der praktischen Umsetzung: Welche Daten brauchen Unternehmen tatsächlich, um Risiken zu bewerten und Entscheidungen zu treffen?
Die Diskussion zeigte: Mehr Daten bedeuten nicht automatisch bessere Entscheidungen. Entscheidend sind relevante, belastbare und für den jeweiligen Anwendungsfall nutzbare Informationen. Als Ansätze wurden standardisierte Fragebögen, die Nutzung von Sekundärdaten und externen Informationsquellen sowie eine stärkere risikobasierte Priorisierung diskutiert.
Damit verändert sich auch die Lieferantenbeziehung: Nicht jeder Lieferant muss mit denselben Anforderungen und derselben Datentiefe adressiert werden. Ressourcen lassen sich stärker auf kritische Lieferanten, besonders risikobehaftete Regionen oder relevante Warengruppen konzentrieren. Im Zentrum stand auch, wie Daten für konkrete Entscheidungen genutzt werden – von der Risikoidentifikation über die Maßnahmenfestlegung bis hin zu Nachverfolgung und Eskalation.
Takeaway: Gute Due Diligence braucht nicht möglichst viele Daten, sondern die richtigen Daten zur richtigen Entscheidung.
Über alle drei Tische hinweg zeigte sich ein gemeinsames Bild: Resilienz entsteht nicht durch zusätzliche Prozesse allein, sondern durch eine bessere Verknüpfung von Daten, Verantwortung und Zusammenarbeit. Fünf Hebel wurden besonders sichtbar:
So wird Due Diligence zu mehr als einer regulatorischen Pflicht: zu einem Instrument, mit dem Unternehmen ihre Wertschöpfung besser verstehen, Risiken früher erkennen und resilienter gestalten können.
BILD: Infografik „5 Hebel für resiliente Lieferketten“, © respACT
Ein besonderer Dank gilt corporAID für die wertvolle Zusammenarbeit und die Unterstützung der Veranstaltungsreihe sowie der Industriellenvereinigung für die Unterstützung. Vielen Dank an alle Teilnehmenden für den offenen Austausch, die kritischen Fragen und die zahlreichen Praxisperspektiven.
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