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Inhalt:
06. Oktober 2026

respACT-Lab: Resiliente Lieferketten brauchen mehr als Compliance

Wie können Unternehmen Due Diligence so verankern, dass daraus ein wirksames Steuerungsinstrument für nachhaltige und resiliente Wertschöpfung wird? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Teilnehmenden beim zweiten Teil der Lieferkettenreihe von corporAID und respACT im interaktiven Lab „Resilienz in der globalen Lieferkette“ am 28. September 2026.

Natascha Rohe, respACT

Nach dem Auftakt-Webinar ging es diesmal um die praktische Umsetzung: Gemeinsam wurden soziale und ökologische Risiken entlang der Lieferkette diskutiert, strukturelle Ursachen hinterfragt und konkrete Ansatzpunkte für Einkauf, Governance, Lieferantenmanagement und Datennutzung identifiziert.

 

Einen praxisnahen Einblick und Rückblick aufs Webinar gab Angela Reithuber-Paolacci (Manner). Für die anschließende Arbeit an drei Thementischen brachten Henriette Gupfinger (kiwi sustainable solutions), Barbara Coudenhove-Kalergi (PwC Österreich) und Florian Kral (WU Wien) unterschiedliche Perspektiven auf Zertifizierungen und Standards, Governance sowie Daten und Lieferantenbeziehungen ein.

 

Tisch 1: Zertifizierungen & Standards

Am Thementisch von Henriette Gupfinger wurde deutlich, dass Zertifizierungen wichtige Orientierung bieten können, aber nicht pauschal mit tatsächlicher Wirkung gleichzusetzen sind. Zertifizierungssysteme unterscheiden sich in ihrer sozialen und ökologischen Ausrichtung deutlich und sollten deshalb risiko- und unternehmensspezifisch ausgewählt werden. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle: Gerade kleinere Lieferanten können durch aufwendige Zertifizierungsanforderungen vor Herausforderungen gestellt werden.

 

Als Ergänzung zu Zertifizierungen wurden Supplier Audits, gezieltes Supplier Engagement und Unterstützungsprogramme für Lieferanten diskutiert. Auch die Weiterentwicklung von Standards sowie Anreizsysteme – etwa die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien bei Bonus- oder Einkaufsentscheidungen – wurden als mögliche Hebel genannt.

 

Takeaway: Zertifizierungen schaffen Orientierung und Vertrauen – ihre Wirkung steigt jedoch, wenn sie risikobasiert eingesetzt und durch Engagement und konkrete Verbesserungsmaßnahmen ergänzt werden.

 

Tisch 2: Governance-Strukturen

Am Tisch von Barbara Coudenhove-Kalergi stand die Frage im Zentrum, wer im Unternehmen eigentlich Verantwortung für nachhaltige Lieferketten trägt – und wer entscheidet, wenn Nachhaltigkeitsziele mit anderen Unternehmensinteressen kollidieren.

 

Wirksame Due Diligence braucht klar definierte Rollen, gemeinsame Prinzipien und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. Besonders relevant ist die Schnittstelle zum Einkauf: Nachhaltigkeitsanforderungen müssen sich auch in Einkaufsprozessen und Entscheidungskriterien wiederfinden, statt ausschließlich in Sustainability- oder Compliance-Abteilungen verankert zu sein.

 

Diskutiert wurden unter anderem klare Kriterien für Einkaufsentscheidungen, Scorecards bzw. Kriterienkataloge für Lieferanten sowie der Umgang mit Zielkonflikten – etwa zwischen Preis, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeitsanforderungen. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Management Commitment ist entscheidend. Nachhaltige Lieferketten werden dann wirksam gesteuert, wenn relevante Kriterien in Managemententscheidungen einfließen und Verantwortung tatsächlich wahrgenommen wird.

 

Takeaway: Due Diligence kann nur dann Wirkung entfalten, wenn Verantwortung klar geregelt ist und Nachhaltigkeitskriterien dort berücksichtigt werden, wo Entscheidungen getroffen werden.

 

Tisch 3: Datensammlung & Lieferantenbeziehungen

Florian Kral richtete den Blick auf eine zentrale Frage der praktischen Umsetzung: Welche Daten brauchen Unternehmen tatsächlich, um Risiken zu bewerten und Entscheidungen zu treffen?

 

Die Diskussion zeigte: Mehr Daten bedeuten nicht automatisch bessere Entscheidungen. Entscheidend sind relevante, belastbare und für den jeweiligen Anwendungsfall nutzbare Informationen. Als Ansätze wurden standardisierte Fragebögen, die Nutzung von Sekundärdaten und externen Informationsquellen sowie eine stärkere risikobasierte Priorisierung diskutiert.

 

Damit verändert sich auch die Lieferantenbeziehung: Nicht jeder Lieferant muss mit denselben Anforderungen und derselben Datentiefe adressiert werden. Ressourcen lassen sich stärker auf kritische Lieferanten, besonders risikobehaftete Regionen oder relevante Warengruppen konzentrieren. Im Zentrum stand auch, wie Daten für konkrete Entscheidungen genutzt werden – von der Risikoidentifikation über die Maßnahmenfestlegung bis hin zu Nachverfolgung und Eskalation.

 

Takeaway: Gute Due Diligence braucht nicht möglichst viele Daten, sondern die richtigen Daten zur richtigen Entscheidung.

 

Was macht Lieferketten resilient?

Über alle drei Tische hinweg zeigte sich ein gemeinsames Bild: Resilienz entsteht nicht durch zusätzliche Prozesse allein, sondern durch eine bessere Verknüpfung von Daten, Verantwortung und Zusammenarbeit. Fünf Hebel wurden besonders sichtbar:

  1. Relevante Daten statt großer Datenmengen: Unternehmen müssen stärker unterscheiden, welche Informationen tatsächlich für Risikobewertung und Entscheidungsfindung benötigt werden.
  2. Management Commitment: Nachhaltigkeitsrisiken müssen auf Managementebene berücksichtigt und mit anderen Unternehmenszielen abgewogen werden.
  3. Klare Governance: Verantwortlichkeiten, Entscheidungskriterien und Eskalationswege schaffen Handlungsfähigkeit und verhindern, dass Due Diligence in einzelnen Abteilungen „hängen bleibt“.
  4. Externe Daten und risikobasierte Bewertung: Sekundärdaten und externe Informationsquellen ergänzen die eigene Datenerhebung sinnvoll und helfen, Ressourcen gezielter einzusetzen.
  5. Standards als Orientierung, nicht als Endpunkt: Zertifizierungen und Standards schaffen Transparenz und Vertrauen, müssen aber je nach Risiko und Kontext sinnvoll eingesetzt und gegebenenfalls durch Audits, Lieferantenengagement und Entwicklungsmaßnahmen ergänzt werden.

So wird Due Diligence zu mehr als einer regulatorischen Pflicht: zu einem Instrument, mit dem Unternehmen ihre Wertschöpfung besser verstehen, Risiken früher erkennen und resilienter gestalten können.

 

Infografik mit fünf Hebeln für resiliente LieferkettenBILD: Infografik „5 Hebel für resiliente Lieferketten“, © respACT

 

Danke!

Ein besonderer Dank gilt corporAID für die wertvolle Zusammenarbeit und die Unterstützung der Veranstaltungsreihe sowie der Industriellenvereinigung für die Unterstützung. Vielen Dank an alle Teilnehmenden für den offenen Austausch, die kritischen Fragen und die zahlreichen Praxisperspektiven.

 

In Kooperation mit

Unterstützt durch

Titelgrafik respACT-Lab Resilienz in der globalen Lieferkette mit Logos von corporAID und Industriellenvereinigung
Titelgrafik respACT-Lab Resilienz in der globalen Lieferkette mit Logos von corporAID und Industriellenvereinigung
Teilnehmende diskutieren an einem runden Tisch, ein Referent steht vor einer Pinnwand
Teilnehmende diskutieren an einem runden Tisch, ein Referent steht vor einer Pinnwand
Workshop-Tisch mit beschrifteten Post-its zu Governance und Einkauf in der Lieferkette
Workshop-Tisch mit beschrifteten Post-its zu Governance und Einkauf in der Lieferkette
Blick in den Workshop-Raum mit Teilnehmenden an Tischen und Flipchart zum Due-Diligence-Prozess
Blick in den Workshop-Raum mit Teilnehmenden an Tischen und Flipchart zum Due-Diligence-Prozess
Zwei Moderatorinnen vor corporAID- und respACT-Rollups sprechen zum Publikum
Zwei Moderatorinnen vor corporAID- und respACT-Rollups sprechen zum Publikum

 

 

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