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Die chinesische Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt sich seit 2024 in die nächste Generation. Bisher gibt es zwei relevante Rahmenwerke, welche in einer Entwurfsfassung vorhanden sind. Ziel ist es, dass bis 2030 alle notwendigen Rahmenwerke etabliert sind. Darüber hinaus gibt es spezielle regionale Entwicklungen innerhalb Chinas, welche eine Vorreiterrolle einnehmen.[1]
Regionale Aktionspläne
Die Städte Shanghai, Peking und Suzhou haben gesonderte regionale, spezifische Aktionspläne gestartet.[2] Diese Initiativen zielen darauf ab, die Kapazität der ESG-Ökosysteme weiterzuentwickeln. Peking legt den Fokus insbesondere auf die Verfeinerung von Zertifizierungen, Ratings und Standards. Suzhou hat spezielle Förderungen für industrielle Modernisierungen aufgesetzt und sticht durch Subventionen hervor: Qualifizierte ESG-Projekte können bis zu 5 Millionen Yuan als Ansiedlungsprämie und zusätzlich 3 Millionen Yuan an Mietzuschüssen erhalten.[3]
Einblick: Shanghai
Die Stadt Shanghai hat in Zusammenarbeit mit der Börse in Shanghai (Shanghai Stock Exchange – SSE) die Guidelines No. 14 of Shanghai Stock Exchange for Self-Regulation of Listed Companies – Sustainability Report (Trial) entwickelt. Diese sagen konkret aus, dass es eine Pflicht zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten für Unternehmen, die unter anderem Bestandteil des SSE 180 Index oder des STAR 50 Index sind, gibt. Diese Guidelines sind am 01.05.2024 in Kraft getreten. Mit dieser Inkraftsetzung ging eine freiwillige Berichterstattung für das Berichtsjahr 2024 einher. Jedoch sind alle betroffenen Unternehmen verpflichtet gewesen, ihren Nachhaltigkeitsbericht für das Berichtsjahr 2025 vor dem 30.04.2026 zu veröffentlichen (Art. 63 Abs. 1 Guidelines No. 14 of Shanghai Stock Exchange for Self-Regulation of Listed Companies – Sustainability Report (Trial)).
Folgende Unternehmen können beispielhaft herangezogen werden, welche bereits einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht haben:
Dieser spezifische Standard umfasst die Kategorien „Environment“, „Society“ und „Governance“ und teilt dafür in insgesamt 21 spezifische Themen ein (siehe Tabelle 1).
|
Dimension |
Number |
Topic |
Article |
|
Environment |
1 |
Climate change tackling |
21-28 |
|
|
2 |
Pollutant discharge |
30 |
|
|
3 |
Waste disposal |
31 |
|
|
4 |
Ecosystem and biodiversity protection |
32 |
|
|
5 |
Environmental compliance management |
33 |
|
|
6 |
Energy usage |
35 |
|
|
7 |
Usage of water resources |
36 |
|
|
8 |
Circular economy |
37 |
|
Society |
9 |
Rural revitalization |
39 |
|
|
10 |
Contributions to the society |
40 |
|
|
11 |
Innovation-driven |
42 |
|
|
12 |
Ethics of science and technology |
43 |
|
|
13 |
Supply chain security |
45 |
|
|
14 |
Equal treatment to small and medium-sized enterprises |
46 |
|
|
15 |
Safety and quality of products and services |
47 |
|
|
16 |
Data security and customer privacy protection |
48 |
|
|
17 |
Employees |
50 |
|
Sustainability-related governance |
18 |
Due diligence |
52 |
|
|
19 |
Communications with stakeholders |
53 |
|
|
20 |
Anti-commercial bribery and anti-corruption |
55 |
|
|
21 |
Anti- unfair competition |
56 |
Tabelle 1: Übersicht zu den 21 Themen des Guidelines No. 14 of Shanghai Stock Exchange for Self-Regulation of Listed Companies – Sustainability Report (Trial)[4]
Im Rahmen dieser Berichtspflichten erhält die Aufschlüsselung der THG-Emissionen einen besonderen Stellenwert. Berichtende Unternehmen werden dazu angehalten, dass man innerhalb jeder Scope-Kategorie nach drei weiteren Bereichen Details offenlegt (Artikel 25, Guidelines No. 14 of Shanghai Stock Exchange for Self-Regulation of Listed Companies—Sustainability Report (Trial)):
Darüber hinaus werden Unternehmen angehalten, eine dritte Partei hinzuzuziehen, welche eine “Audit”- oder “Assurance”-Prüfung durchführt. Diese soll insbesondere die THG-Emissionen sowie weitere relevante Details des Berichts abdecken (Artikel 24, Guidelines No. 14 of Shanghai Stock Exchange for Self-Regulation of Listed Companies—Sustainability Report (Trial)).
Es ist denkbar, dass die Erfahrungen und konkreten Berichtspflichten der Guidelines No. 14 of Shanghai Stock Exchange for Self-Regulation of Listed Companies – Sustainability Report (Trial) als eine wesentliche Grundlage für die Weiterentwicklung des allgemeinen CSDS dienen werden. Die Shanghaier Börse könnte somit ein relevantes Pilotprojekt in China sein, um die gesamte nationale Umsetzung des CSDS erfolgreich umsetzen und optimieren zu können.
Auswirkungen für europäische Unternehmen
Aufgrund dessen, dass China ein relevanter Handelspartner der EU ist, werden regulatorische Nachhaltigkeitsvorgaben für chinesische Unternehmen auch für europäische Unternehmen potenziell weitreichende Folgen hervorrufen.[5] Die chinesische ESG-Regulierung zeigt auf, dass europäische Unternehmen sowohl vor neuen Risiken als auch vor neuen Chancen stehen. Falls ein Unternehmen Geschäftsbeziehungen mit China pflegt, wird es zukünftig ggf. zwei unterschiedliche Berichtsregelwerke – die europäische CSRD sowie Chinas CSDS – beachten müssen. Diese werden zwar wesentliche Gemeinsamkeiten haben, da bei beiden die IFRS Sustainability Disclosure Standards als Grundlage herangezogen wurde, jedoch wird es ebenfalls Abweichungen geben. Es bleibt abzuwarten, wie die chinesische Regulatorik schlussendlich gestaltet wird. Zu erwarten ist jedoch, dass es Unterschiede geben wird, und es gilt für europäische Unternehmen, diese zu identifizieren. Dieser Prozess wird sich durchaus aufwendig gestalten, kann jedoch auch eine wesentliche Chance bieten, um sich Wettbewerbsvorteile zu generieren.
Vergleicht man den CSDS mit der CSRD, ist es wichtig hervorzuheben, dass beide Standards den Inhalt nach dem Prinzip der doppelten Wesentlichkeit ableiten. Einen Gegensatz stellt jedoch der Zeitplan dar: Obwohl die CSRD in der EU ab dem Geschäftsjahr 2024 angewendet werden musste (obschon einige nationale Umsetzungen – wie etwa in Deutschland – noch immer ausstehen), startet die verpflichtende Berichterstattung für große chinesische Unternehmen voraussichtlich erst ab dem Geschäftsjahr 2027. Das gilt unabhängig des europäischen Omnibus-Prozesses, welcher die grundlegende Vereinfachung der Anwendung der ESRS beinhaltet. Durch diese Vereinfachung erlangt der europäische Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME bzw. VS) mit seinen reduzierten Offenlegungsanforderungen an Bedeutung.[6]
Die entsprechenden Abteilungen in den Unternehmen sollten für die Entwicklung in China sensibilisiert werden, da es eine Frage der Zeit ist, wann man mit neuen Anforderungen konfrontiert werden wird. Eine gute Vorbereitung und ein aktives Monitoring bringen den Vorteil, dass chinesische Geschäftspartner erkennen können, dass man die entsprechende Lieferkette pflegen und schützen möchte. Darüber hinaus erhält man die Möglichkeit, sich frühzeitig ein effizientes Datenmanagement aufzubauen, um langfristig Ressourcen effizient einzusetzen.
Die daraus resultierenden Kosten können vor dem Hintergrund gesehen werden, den Zugang zum chinesischen Markt aufrecht zu erhalten. Unternehmen, die sich frühzeitig auf die neuen Anforderungen vorbereiten, können sich ggf. weitere Vorteile sichern, da der Markt für grüne Kredite und Anleihen in China kontinuierlich an Bedeutung gewinnt.[7]
Zusammenfassung und Ausblick
Es ist nennenswert, dass China die nationale Nachhaltigkeitsberichterstattung am Regelwerk der IFRS Sustainability Disclosure Standards orientiert. Somit entsteht eine grundsätzliche Ähnlichkeit mit der europäischen CSRD bzw. den ESRS. Jedoch steckt der chinesische Prozess noch im Aufbau und wird sich im kurz- und mittelfristigen Zeithorizont entwickeln. Europäische Unternehmen mit Handelsbeziehungen nach China müssen sich somit grundlegend bewusst machen, dass sich die fortschreitende Entwicklung der chinesischen Nachhaltigkeitsberichterstattung zu strengeren Vorgaben zur gleichen Zeit abspielt, wie der europäische Omnibus, welcher die europäischen Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichterstattung vereinfacht bzw. reduziert. Dabei ist empfehlenswert die Entwicklungen der Shanghaier Börse zu beobachten, da diese eine Art Pilotprojekt darstellen.
Folgt man der Konsequenz, mit der China seine internationalen Ankündigungen üblicherweise umsetzt, ist davon auszugehen, dass auch in diesem Bereich den kommunizierten Plänen Taten folgen. Angesichts des erklärten Ziels, den Emissionshöchststand vor 2030 zu erreichen und bis 2060 CO₂‑neutral zu werden, erscheint es lediglich als Frage der Zeit, bis entsprechende Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtend implementiert werden.
[1] Eine grundlegende Einführung der aktuellen chinesischen Entwicklung lässt sich dem Gastbeitrag „Chinas grüne Transformation: Der neue CSDS‑Standard und die nationalen Klimaziele“ entnehmen. Dieser ist online abrufbar unter: XXXXXXXXXXXXXX
[2] Vgl. China Development Brief, Three Cities Take Lead on ESG Policies in China, 2024, online abrufbar unter:
https://chinadevelopmentbrief.org/reports/three-cities-take-lead-on-esg-policies-in-china/.
[3] Vgl. ETICOR, First ESG guidelines for companies in China, 2024, online abrufbar unter:
https://eticor.com/en/blog/first-esg-guidelines-for-companies-in-china. Zum Stand vom 10.08.2026 sind 1 Millionen chinesische Yuan ungefähr 130.000 Euro wert.
[4] Vollständig aus dem Anhang von den Guidelines No. 14 of Shanghai Stock Exchange for Self-Regulation of Listed Companies – Sustainability Report (Trial) übernommen.
[5] Vgl. euronews, Wie sieht die Handelsbilanz zwischen China und der EU aus?, 2025, online abrufbar unter: https://de.euronews.com/my-europe/2025/03/13/wie-sieht-die-handelsbilanz-zwischen-china-und-der-eu-aus.
[6] Vgl. Scheid/Altenburger/Sopp, Handelsbeziehungen mit China: Deutsche Unternehmen müssen chinesische
ESG-Anforderungen rechtzeitig erfüllen, BBP 4/2026, S. 94-96.
[7] Vgl. PBC, Advancing the „Five Major Areas“ in Finance to Boost Support for the Real Economy, 2025, online abrufbar unter: https://www.pbc.gov.cn/en/3688006/5876310/5889803/index.html.
Über den Autor
Jonas Knoll ist ESG Associate bei retria – ESG reporting & analysis, studiert an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und verfügt über eine mehrjährige Erfahrung im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Über das Unternehmen
Die retria GmbH ist eine Ausgründung der TU Bergakademie Freiberg und positioniert sich als Spezialistin für wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte ESG- und Nachhaltigkeitsberatung. Das Unternehmen begleitet Organisationen bei der Entwicklung und gesetzeskonformen Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien und bietet ein umfassendes Portfolio rund um das Thema "ESG“.
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