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23. Februar 2026

Verantwortung, die Regionen stärkt: Ein Abend zur sozialen Nachhaltigkeit im Club of Rome Carnuntum

Beim „Talk im Club“ diskutierten wir gemeinsam mit dem Club of Rome Carnuntum darüber, warum soziale Nachhaltigkeit heute zu den stärksten Hebeln für zukunftsfähiges Wirtschaften und regionale Entwicklung zählt. Für respACT waren Fiona Gmeiner und Daniela Resch als Sprecherinnen vor Ort.

Daniela Resch, respACT

Gemeinsam Zukunft denken

 

Am 18. Februar durften wir im Herzstück in Bruck an der Leitha zu Gast sein. Der Club of Rome Carnuntum – ein regionales Chapter des internationalen Netzwerks – schafft regelmäßig Räume, in denen Forschung, Praxis und regionale Entwicklung zusammenfinden.

Rund 15 Teilnehmer*innen aus Wirtschaft, Kommunalpolitik und Regionalentwicklung diskutierten Chancen, Herausforderungen und Rahmenbedingungen sozialer Nachhaltigkeit.

 

Für respACT bot der Abend eine wertvolle Gelegenheit, zu zeigen, wie soziale Verantwortung Orientierung bietet und neue Handlungsspielräume eröffnet. Nach unserem Input entstand ein lebendiger Dialog, begleitet von regionaler Verköstigung und persönlichen Einblicken der Teilnehmenden.

 

respACT im Überblick: Vernetzen, Wissen stärken, Orientierung geben

 

Seit über 25 Jahren begleitet respACT Unternehmen auf ihrem Weg zu verantwortungsvollem, resilientem und wettbewerbsfähigem Wirtschaften. Mehr als 450 Unternehmen zählen zur Community. Unsere thematischen Schwerpunkte umfassen:

  • Biodiversität
  • Kreislaufwirtschaft
  • Digitale Transformation & KI
  • Soziale Nachhaltigkeit
  • Klima & Energie
  • Reporting & Lieferkette

Mit Academy‑Programmen, Veranstaltungen und Publikationen fördern wir Vernetzung, Wissensaufbau und praxisnahe Orientierung – für Unternehmen wie Gemeinden.

 

Warum soziale Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnt

 

Soziale Nachhaltigkeit umfasst faire Arbeitsbedingungen, Chancengleichheit, Mitbestimmung, Gesundheit, Weiterbildung und den Beitrag eines Unternehmens zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Kurz: Sie stärkt Beziehungen zwischen Menschen, Organisationen und Regionen. In Österreich zeigt sich ein gemischtes Bild: Viele Unternehmen setzen bereits Maßnahmen, aber häufig punktuell und ohne klare strategische Verankerung. Dabei bietet gerade die soziale Dimension zahlreiche Vorteile – von geringerer Fluktuation bis hin zu höherer Produktivität.

 

Gleichzeitig wächst ihre Bedeutung. Studien zeigen, dass Unternehmen mit starker ESG‑Performance höhere Umsätze erzielen und ein bis zu 35 % geringeres Insolvenzrisiko aufweisen. Organisationen mit mehr Frauen in Führungspositionen schneiden bei ESG‑Maßnahmen zudem bis zu 50 % besser ab.

Ein prägnantes Zitat aus der Runde brachte es auf den Punkt:

„Es ist längst nicht die Frage, ob wir uns damit beschäftigen – sondern, ob wir es bewusst und strukturiert tun.“

VSE‑Label: Soziale Wirkung sichtbar machen

 

Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf der Frage, wie soziale Wirkung messbar und sichtbar wird. Wir stellten das Verified Social Enterprise (VSE)-Label. Das Gütesiegel für Social Enterprises in Österreich wird vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus vergeben. Die Abwicklung erfolgt durch die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (aws) in enger Zusammenarbeit mit dem Social Entrepreneurship Network Austria (SENA) sowie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Es wurde 2022–2023 entwickelt, 2024 ausgerollt und wird ab 2026 stärker in Förder‑ und Beschaffungsstrukturen verankert.

 

Vorteile für Unternehmen:

  • öffentliche Sichtbarkeit als Social Enterprise
  • gestärkte Glaubwürdigkeit und Wirkung
  • strukturierte Messbarkeit sozialer Leistungen
  • höhere Förderquoten bei Programmen wie Impact Innovation Social
  • wachsende Community mit über 60 zertifizierten Unternehmen (2025)

Best Practice: Acker

 

Acker zeigt eindrucksvoll, wie soziale Wirkung und Bildungsarbeit ineinandergreifen. Programme wie AckerRacker oder die GemüseAckerdemie stärken Ernährungskompetenz, Verantwortungsgefühl und Nachhaltigkeitsverständnis.

 

Aus dem Wirkungsbericht:

  • 68 % der Schüler*innen zeigen mehr Wertschätzung für Gemüse
  • 58 % essen mehr Gemüse
  • 63 % erleben mehr Selbstwirksamkeit
  • 62 % übernehmen eigenständig Verantwortung am Acker

Das VSE‑Label macht diese Wirkung sichtbar – und zeigt, wie professionelle Wirkungsmessung gelingt.

 

Schachinger Logistik: Soziale Nachhaltigkeit strukturiert steuern

 

Schachinger Logistik demonstriert, wie soziale Nachhaltigkeit mittels klarer Strukturen, Standards und Messgrößen im Unternehmen verankert werden kann – basierend auf SDGs und doppelter Wesentlichkeit gemäß CSRD.

 

Beispiele aus der Praxis:

Lieferkette:

  • 82 % der Bezugsleistungen über 10.000 € stammen aus Österreich
  • Risikoanalysen, Verhaltenskodex, Schulungen
  • Einführung der ESRS‑Standards

Mitarbeitende:

  • Gesundheitsambassador*innen
  • psychologische Beratung
  • Sommer‑Kinderbetreuung
  • Programme zur Vereinbarkeit von Familie & Beruf
  • Weiterbildungen zu sozialen und ökologischen Kompetenzen

Gesellschaft:

  • Kooperationen mit dem Roten Kreuz
  • Engagement bei Jugend am Werk
  • „Kochen für die Gruft“
  • geplanter Bildungscampus als Lern‑ und Begegnungsraum

Homebase St. Johann: Gemeinwohl im Ortskern

 

Die Homebase St. Johann zeigt, wie soziale Nachhaltigkeit im Ortskern gelebt wird. Ein offener Gemeinwohlraum bietet Angebote von BabyCafé und TrauerCafé bis hin zu kooperativen Projekten.

Ein Beispiel: der „Flügelschluck“ – ein Hopfenprojekt von Going Artenreich und der Brauerei Bierol, dessen Erlös dem Schutz alpiner Grünlandschmetterlinge zugutekommt.

 

Tischlerei Melk: Urban Sustainability Living Lab

 

Auf dem Gelände einer ehemaligen Tischlerei entsteht ein Urban Sustainability Living Lab, das Leerstand reduziert und lokale Akteur*innen einbindet. 16 Masterstudierende der Universität Wien entwickelten Konzepte zu:

  • Raumgerechtigkeit
  • inklusiver Beteiligung
  • kooperativer Quartiersentwicklung
  • lokaler Identität
  • reflektiertem Umgang mit NS‑Geschichte

Ein Projekt, das zeigt, wie soziale Nachhaltigkeit in räumlicher Entwicklung wirksam werden kann.

 

Was die Region bewegt – Stimmen aus der Diskussion

 

Die Diskussion machte deutlich, wo Potenzial und Herausforderungen liegen:

  • rechtlicher Rahmen & fehlendes Wissen
  • Unterschiede zwischen Kleinbetrieben und Konzernen
  • Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Karriere
  • generationenübergreifende Erwartungen
  • Vergleich zu Nordeuropa
  • neues Verständnis von Wohlstand
  • notwendiger Bewusstseinswandel

Daniela Resch hielt fest:

„Viele Gemeinden arbeiten längst sozial nachhaltig – aber sie nennen es nicht so. Sobald Begriffe klar sind, entsteht mehr Selbstbewusstsein im Tun.“

Fazit & Ausblick

 

Der Abend zeigte eindrucksvoll: Soziale Nachhaltigkeit ist ein regionaler Erfolgsfaktor. Sie stärkt Unternehmen, Gemeinden und ganze Regionen – wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell.

Als respACT bleiben wir Partnerin für Orientierung, Wissenstransfer und Vernetzung – für alle, die die Transformation aktiv gestalten wollen.

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